Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.01.10, Mark Pollmeier

Ausgestoßene heute

In einer kleinen Stadt – der Name spielt keine Rolle – soll eine Einrichtung für psychisch Kranke gebaut werden.

Der Bürgermeister ist zunächst ganz froh über die Entscheidung, denn das Projekt würde Arbeitsplätze schaffen und etwas Geld in die Stadt bringen.

Dann gründet sich eine Bürgerinitiative, die gegen den Bau vorgeht. Es werden Unterschriften gesammelt; Eltern sagen in Interviews, sie hätten Angst um ihre Kinder.

Der Bürgermeister bekommt kalte Füße, mit seinen Bürgern will er es sich nicht verscherzen. Auf einmal sieht er die geplante Einrichtung auch eher kritisch. Schließlich hat auch der Investor die Nase voll.und  Nun gibt’s zwar keine neuen Arbeitsplätze in der Stadt – aber auch keine Psycho-Klinik.

Das Interessante an der Geschichte ist ja: dass kranken Menschen geholfen werden muss, würde jeder unterschreiben. Da sind alle dafür. Aber bitteschön so, dass man diese Kranken nicht sieht. Man will schließlich nicht jeden Tag irgendwelchen Gestörten über den Weg laufen.

Ein bisschen erinnert mich diese Einstellung an biblische Zeiten: Auch damals hat man die Aussätzigen verjagt, und sie mussten in einem Ghetto vor der Stadt hausen. Mit einem entscheidenden Unterschied. Jesus ist bewusst hingegangen zu den Kranken und Aussätzigen. Er hat sich mit ihnen unterhalten und sie sogar angefasst. Als Zeichen dafür, dass Kranke vor allem eins sind: Menschen.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Ausgestoßene heute


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