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Prohibition
Die Goldenen Zwanziger Jahre" endeten für viele Menschen in einem Fiasko. Die Weltwirtschaftskrise stürzte Millionen in Verzweiflung.
Zudem erlebten viele Zeitgenossen den raschen Wandel gesellschaftlicher Normen in diesen Jahren als einen Werteverlust. Besonders in den USA entfalteten sich bis dahin ungeahnte Freiheiten in der Kleidung, im öffentlichen Auftreten und in sexuellen Einstellungen und veränderten das gesellschaftliche Leben. Die englisch und protestantisch orientierte amerikanische Oberschicht verlor an Einfluss, war aber noch stark genug, sich noch einmal gegen den aus ihrer Sicht drohenden Werteverlust aufzulehnen. Einer der letzten Versuche ihren Einfluss zu wahren, war das nationale Verbot von Alkohol, die Prohibition, die heute vor 90 Jahren, am 16. Januar 1920, in den USA in Kraft trat. Unter dem erheblichen Druck der amerikanischen Enthaltungsbewegung verbot der Staat den Verkauf, die Herstellung und den Transport von Alkohol. In den Zeitungen wurde die Prohibition gerne The Noble Experiment Das ehrenhafte Experiment genannt.
Am Beginn der Prohibition begeisterte der Prediger Billy Sunday viele Menschen mit einer Prophezeiung: Das Reich der Tränen ist vorbei. Bald werden die Slums der Armenviertel nur noch eine Erinnerung sein. Wir werden die Gefängnisse in Fabriken umwandeln und die Gerichtsgebäude in Lagerhallen. Männer werden nun aufrecht gehen, Frauen werden lächeln und Kinder werden lachen. Die Hölle wird auf Ewigkeit zum Vermieten angeboten."
Das Gegenteil war der Fall. Die Behörden waren nicht in der Lage das Verbot durchzusetzen. Das illegale Geschäft entwickelte sich zügig und die Nachfrage nach Alkohol hörte nicht auf. Im Gegenteil. Sie wuchs sprunghaft an. Die Kriminalität erfuhr schon im ersten Jahr einen beachtlichen Aufschwung und steigerte sich von Jahr zu Jahr. Selbst die Fälle von Trunkenheit am Steuer stiegen rasant an. Es war die Zeit des organisierten Verbrechens. Kriminelle wie Al Capone in Chicago bauten eine eigene Alkohol-Industrie auf und erwirtschafteten mit hohen Preisen für illegalen Alkohol ein Vermögen.
Das Experiment schlug fehl. Im Jahre 1933 wurde das Verbot von Alkohol wieder aufgehoben. Der Krieg gegen Drogen" konnte nicht durch Verbote und Verleugnen gewonnen werden. Ein doktrinäres Wunschdenken scheiterte an der Realität. Es hatte schlussendlich größere Übel erzeugt als die, die vorgeblich verhindert werden sollten. Das ist das Schicksal aller Fundamentalisten. Daran scheiterte das Tausendjährige Reich, die Täuferbewegung im 16. Jahrhundert in Münster, das Prohibitionsgesetz der amerikanischen Puritaner und die vermeintliche Revolution eines gewaltbereiten, fundamentalistischen Islam wird auch daran scheitern.
Mit religiösen Werten allein lässt sich keine Politik machen. Sie bilden die Ideale, denen politisches Handeln folgen sollte. Auch die höchsten Werte und Normen müssen wir an der gesellschaftlichen Wirklichkeit messen. Wir dürfen die Frage nach den Ursachen und Anlässen von Missständen nicht überspringen. Das Elend in der Weltwirtschaftskrise in den späten 1920-er Jahren konnte nicht durch ein Alkohol-Verbot beseitigt werden. Ebenso wenig werden wir den heutigen Missständen in der internationalen Finanzkrise durch schärfere Strafgesetze beikommen. Wir müssen zunächst fragen: Warum greifen Menschen zum Alkohol oder anderen Drogen? Warum verlieren zuvor beachtete Werte in gewissen gesellschaftlichen Gruppen ihre Akzeptanz? Wie können wir diese Ursachen verändern und abbauen? Erst dann kommen religiöse und kulturelle Vorstellungen zum Einsatz: als Anregungen und Leitbilder, um unsere Lebensumstände zu verändern. Als erstrebenswerte Ziele, die unser Leben menschenwürdiger machen.
Prohibition
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