| |
Segnen und berühren
Gottes Nähe spüren nicht nur durch Worte, auch durch Berühren. Die Bibel erzählt immer wieder davon. Eine Frau ist seit vielen Jahren krank. Kein Arzt kann ihr helfen.
Sie nähert sich Jesus von hinten und berührt sein Gewand. Sie will von ihm geheilt werden. Jesus spürt, wie eine Kraft von ihm ausgeht, und die Kranke weiß, dass sie geheilt ist.
Eine andere Frau, eine mit zweifelhaftem Ruf, kommt in ein Haus, in dem Jesus gerade zu Gast ist. Sie gießt Öl über seine Füße und salbt sie. Sie erregt damit Ärgernis beim Gastgeber, der sich denkt: Wie kann sich Jesus von so einer berühren lassen. Wenn er wirklich ein Prophet wäre, so würde er doch wissen, wer ihn da berührt. Doch Jesus sagt: Versucht, sie zu verstehen. Wem viel vergeben wird, der kann auch selber viel Liebe weitergeben.
Ein andermal ärgern sich die Jünger Jesu wieder salbt eine Frau Jesus, diesmal das Haupt. Die Jünger ereifern sich über die Verschwendung, alle halten diese Geste der Berührung für überflüssig oder gar peinlich. Allein Jesus achtet dieses Zeichen. Dabei hatte das Salben eines Königs oder Propheten durchaus Tradition in Israel. Und die Salbung Verstorbener galt als Zeichen der Ehre. Doch dass eine Frau sich diese Geste anmaßte, war dann doch wohl zuviel. Die Frau hat sich nicht gefragt, was das Öl kostete, dabei entsprach es wohl dem Wert eines Jahreslohnes eines Landarbeiters. Sie hat sich nicht gefragt, was es einbringt und wie ihre Geste wirkt und ob sie ihr nicht schaden könnte. Sie hat es einfach getan. Jesus schätzte ihr Verhalten und sagte seinen Jüngern: Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
Jemanden zur rechten Zeit berühren da sein Nähe vermitteln. Durch unsere heilsame Zuwendung können wir für einen Anderen zum Segen werden. Doch manchmal versagen wir aus Angst vor Nähe und Berührung. Dabei haben die Jünger von Jesus den Auftrag zum Berühren bekommen, nämlich zum Handauflegen, Segnen und Salben. Christus selbst ist der Gesalbte, auf Hebräisch: der Messias, und durch ihre Taufe stehen Christen in der Nachfolge dieses Gesalbten. Sie dürfen dieses Segenszeichen in seinem Namen weitergeben. Sie können Hände halten und heilen, schützen und bergen, segnen und salben. Gott macht ihre Hände zu seinen Händen, zum Werkzeug seiner schützenden und heilenden Gegenwart.
Manche christlichen Gemeinden haben diese alten Formen heilsamer Zuwendung und Berührung wiederentdeckt. Sie haben ausprobiert, wie sie diese oftmals vergessenen Traditionen christlicher Verkündigung wieder lebendig werden lassen können. Sie feiern Segnungs- und Salbungsgottesdienste. Junge und Alte, Gesunde und Kranke, Fröhliche und Trauernde erfahren dabei etwas von dem Frieden und der Nähe Gottes, der Zärtlichkeit und der Kraft zur Heilung, die im Segen Gottes auf uns übergehen. Sie erleben jene Berichte der Evangelien nach, in denen Jesu Hände segnen, berühren, wandeln und heilen. Sie geben den empfangenen Segen weiter. Sie handeln nach dem Vorbild Jesu:
Kranke Menschen erfasst er mit seiner Hand und richtet sie auf. Nach dem sinkenden Petrus streckt er seine Hand aus und rettet ihn. Kindern legt er zärtlich die Hand auf und segnet sie. Jesus, ergreife auch mich mit deiner Hand. Denn in Deiner Hand ist alles gut.
Segnen und berühren
|