Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.01.10, Dr. Rainer Neu

Schwester Natur

Franz von Assisi fand überall in der Natur Zeichen und Spuren der Güte und Weisheit Gottes. In Blumen und Tieren erkannte er die Liebe Gottes zu den Menschen.

Die ganze Schöpfung war ihm ein Anlass zum Loben und Danken und sie erfüllte sein herz mit Freude. Einmal bezeichnete er die Natur als unsere kleine tanzende Schwester, über die man lachen kann und die man lieb haben muss. Franz erfreute sich an der Natur, weil sie eine Schöpfung Gottes ist. Sonne, Mond und Sterne waren für ihn Brüder und Schwestern. Weil er sie genauso als Schöpfung Gottes erlebte wie sich selbst, waren sie seine Brüder und Schwestern. Mit Naturschwärmerei hatte das wenig zu tun. Franz lobte Gott in der Natur. Aus dieser Haltung heraus entstand sein berühmter Sonnengesang:

Sprecherin: Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
besonders dem Herrn Bruder Sonne,
der uns den Tag schenkt und durch den du uns leuchtest.
Gelobt seist du, mein Herr,
für Schwester Mond und die Sterne ...
für Bruder Wind,
für Luft und Wolken, heiteres und jegliches Wetter ...
für Schwester Wasser ...
für Bruder Feuer ...
Für unsere Schwester Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt,
mit bunten Blumen und Kräutern.

Autor: Dem Mönchsbruder, der den Garten pflegte, sagte er, er solle nicht den ganzen Garten nur mit Gemüse bepflanzen, sondern einen Teil der Erde sich selbst überlassen. Blühende Kräuter und Gräser soll sie so hervorbringen und all ihre Betrachter zum Lob Gottes einladen. Die Liebe zu Gott und zu seinen Geschöpfen waren im Leben des Franz von Assisi eine untrennbare Einheit. Alles in der Natur und im menschlichen Leben kam für Franz aus der Hand Gottes. Auch die Vergänglichkeit. Gegen Ende seines Lebens, als er schon von schwerer Krankheit gezeichnet war, konnte er den Sonnengesang um die Worte ergänzen:

Sprecherin: Gelobt seist du, mein Herr,
für unseren Bruder, den leiblichen Tod;
kein lebender Mensch kann ihm entrinnen.
Selig, die er finden wird in deinem heiligsten Willen.

Autor: Wenn Franz auch noch den Bruder Tod umarmte, war das für ihn keine Übung in Selbstverleugnung, sondern das konsequente Ja zum Leben, zu dem auch der Tod gehört. Franz bewunderte und liebte die Natur. Nicht weil sie das oberste Prinzip, das Ewige oder die Schöpfermacht, ist. Nicht weil er sie mit Gott verwechselte. Sondern weil sie Schöpfung und Gabe Gottes an uns ist. Weil unser eigenes Leben Teil der Natur ist und mit ihr aus der Schöpfermacht Gottes hervorgegangen ist.

Audiobeitrag Schwester Natur


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen