Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.01.10, Antje Borchers

Erwarten Sie alles!

Weihnachten ist nun endgültig vorbei, das neue Jahr ist schon zwei Wochen alt und… groß verändert hat sich wieder nichts. – Aber was haben Sie erwartet!?

Noch irgendwas gehofft?

„Hoffen und Harren hält manchen zum Narren“, sagt der Volksmund und belächelt alle, die auf ein Licht am Horizont warten, zu Weihnachten, zum neuen Jahr. Belächelt hat der Volksmund vermutlich vor langer Zeit auch den alten Simeon. Simeon, so erzählt es das Lukasevangelium, Simeon hat sein Leben lang gewartet. Auf das Licht in dunklen Zeiten. Von einem Chanukka-Fest zum nächsten – Chanukka ist das jüdische Lichterfest, ähnlich wie bei uns Weihnachten. Simeon hat auf das Licht von Gott gewartet, den Trost in der Dunkelheit. Aber: nichts. Jedes Chanukka nichts. So ging ein Jahr ums andere ins Land und Simeon ist alt geworden. „Alterchen“, haben die Leute wahrscheinlich gesagt, „Du machst dich zum Narren. Siehste ja, Gott kommt nicht. Und was haste jetzt davon? Nur noch den Tod. Wenn du Glück hast, siehst du Gott danach.“

Und der alte Simeon hat Glück. Und zwar noch in diesem Leben. Er hat’s gesehen, das Licht vom Himmel, so erzählt die Bibel. Wie einen Schatz nimmt er es auf seine Arme, als die Eltern es nach jüdischer Tradition zum Tempel bringen. Ein Neugeborenes, so winzig, dass man es im Trubel des Tempels übersehen kann. Aber der alte Simeon wusste, wie man wartet, auf Gottes Zeichen wartet: aufmerksam, neugierig auf das, was Gott im Leben tut. Simeon blieb nicht in seinen vier Wänden hocken, nach dem Motto: ‚Was soll noch kommen!? Ich bin alt. ’ Simeon mischt sich in den Trubel, ist oft im Tempel, dem Haus Gottes, schaut sich die Menschen an, verfolgt die Nachrichten. So ein Vorhof des Tempels ist der Umschlagplatz für Nachrichten und Neuigkeiten. Simeon hat was erwartet vom Leben. Von Gott. Allerdings musste er sehr lange warten. Aber „Gott wird Wort halten“, davon ließ er sich nicht abbringen.

Und jetzt, kurz vor Ende seines Lebens, jetzt liegt Gott in seinen Armen. „Hoffen und Harren hält manchen zum Narren?!“ Nein. Hoffen und Harren auf Gott hält lebendig, hält nah dran am Leben, hält einen Menschen aufmerksam für die Wunder. – Simeon ist im Weihnachtsglück. Er jubelt zu Gott:

„Nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren“. „Denn meine Augen haben dein Heil gesehen, deinen Heiland, den silbernen Streifen am Horizont.“ Der Trost der Welt liegt in den Armen dessen, der alles erwartet hat. Und er erfährt: Gott hält Wort. Er lässt uns Menschen nicht allein. Sein Licht leuchtet, die dunklen Lebenserfahrungen haben nicht das letzte Wort.

Simeon hatte riesiges Glück, dass er noch gelebt hat, als dieser kleine Knabe Jesus zur Welt kam. Aber wir?!? Auch wir warten und hoffen auf das Licht am Horizont, in unserer Zeit, für unseren Alltag.

Wir können zwar dieses Kind nicht anfassen. Aber auch zu uns kommt Jesus, das Licht der Welt. Wie? Wo? Es kann in jeder Situation kommen, in jedem Menschen. Meine Phantasie reicht nicht aus, um Ihnen auszumalen, wie Gott ankommt, welche Zeichen er für Sie tut. Aber erwarten Sie alles von ihm. In diesem Jahr. Im nächsten. Gott wird kommen.

 

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