Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.01.10, Pfarrer Titus Reinmuth

gestorben wird immer

Autor: „gestorben wird immer“ – so lautete der deutsche Titel einer amerikanischen Fernsehserie, die den Tod ins Wohnzimmer holte –

und zwar offen, unkonventionell und mit viel schwarzem Humor. Die skurrilen Geschichten rund um Familie Fisher und ihr Bestattungsinstitut räumten sieben Grammies und drei Golden Globes ab. Gestorben wird immer, aber in Wirklichkeit wissen immer weniger Menschen, was auf sie zukommt, wenn tatsächlich ein Angehöriger oder ein Freund stirbt. Dann gibt es keinen Abstand mehr zwischen dem wirklichen Leben und der Geschichte im Fernsehen, dann ist plötzlich alles ganz nah. Dr. Kerstin Gernig, Geschäftsführerin des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, macht da so ihre Beobachtungen.

O-Ton: Der erste Anruf bei einem Todesfall gilt heute nicht mehr dem Pfarrer, wie das früher der Fall war, sondern im allgemeinen dem Bestatter, und das hat wesentlich damit zu tun, dass uns das Erfahrungswissen im Umgang mit einem Verstorbenen verloren gegangen ist. Früher wurden Menschen zuhause aufgebahrt und man wusste einfach, dass man den auch mal ein paar Tage zuhause lassen kann, ohne dass man davor Angst haben musste.

Autor: Noch vor wenigen Jahrzehnten starben Menschen früher und in der Regel zuhause. Die Familie nahm Abschied, die Nachbarskinder schauten vorbei, alle wussten, was jetzt zu tun ist.

Und wenn ein Kind geboren wurde, hat die Familie vom ersten Tag an auf zwei wichtige Ereignisse im Leben gespart: auf die Hochzeit und auf die Beerdigung. Für uns heutige klingt das ungewöhnlich. Ein natürlicher Teil des Lebens ist vielen ganz fremd geworden.
Heute kommt die Hilfe von Experten.

O-Ton: In dem Maße, in dem Bestatter angerufen werden, sind sie diejenigen, die die Trauernden beraten müssen. Nämlich sie darüber aufklären, (...) dass sie den Verstorbenen selber waschen und ankleiden können, auch mit der eigenen Kleidung, wenn sie es denn wünschen. Und Bestatter helfen dabei, da wo Ängste bei Menschen da sind oder eben auch Unsicherheiten, sie zu begleiten und ihnen dabei eine Unterstützung zu sein.

Autor: Trauer braucht Rituale. Manche Menschen sind stark genug, den Abschied mitzugestalten. Dann wird die Lieblingsmusik des Verstorbenen ausgewählt, eigene Texte gelesen und anderes mehr. Oft verbindet sich das gut mit dem bewährten Ritual einer Trauerfeier in der Kirche. Denn in Zeiten, wo einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird, suchen Menschen gleichsam ein Geländer, an dem sie sich festhalten können. Doch was, wenn nur wenige Menschen Abschied nehmen und mit den Bräuchen kaum noch vertraut sind?

O-Ton: Ich glaube, es ist ganz fatal, wenn man bei einer Trauerfeier auf die Musik verzichtet, weil Trauermusik immens dabei hilft, gemeinsam schweigen zu können, sich gemeinsam zu erinnern oder eben auch, sich seinen Gefühlen hinzugeben und die Tränen freizusetzen.

Autor: Und soll man sich wirklich trauen, den lieben Angehörigen aufzubahren, noch einmal sichtbar für alle, die Abschied nehmen wollen?

O-Ton: Die Angehörigen, auch Kinder, sollten einen Verstorbenen noch mal sehen, um den Tod zu begreifen im wahrsten Sinne des Wortes. Das Gesicht eines Verstorbenen verändert sich. Davor muss man auch keine Angst haben (...). Und dann zu begreifen, dass es da ein Jenseits gibt und dass es eine Dimension gibt, die wir nur erahnen hier auf Erden, darum sollten wir uns nicht bringen.

Autor: Gestorben wird immer auch im Neuen Jahr. Aber wer sich schon jetzt mit dem Tod auseinandersetzt für den wird es etwas leichter, wenn es mal schwer wird.

Audiobeitrag gestorben wird immer


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