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In Bewegung
Ohne Bewegung ist nur der Tod, sagt mein Physiotherapeut. Und lacht dabei. Dann geht es wieder los: Rückengymnastik auf der Matte, Krankengymnastik an den Geräten.
Kreuzheben, Bankdrücken, Kniebeugen, Beinpressen alles mit Gewichten. Die meisten hier haben Rückenbeschwerden. Auch ich gehöre zu denen, die schon lange keinen Sport mehr treiben, jedenfalls nicht regelmäßig. Einen Stift halten kann ich gut. Aber Kniebeugen mit zusätzlichen Gewichten auf den Schultern? Das musste ich lernen. Zweimal die Woche trainiere ich nun in einer kleinen Gruppe.
Viele wollen einfach keine Verantwortung übernehmen, meint unser Therapeut halb verärgert, halb verwundert. Die haben sich 30 Jahre lang nicht richtig bewegt, und dann hätten sie am liebsten eine Operation, die alles wieder gut macht. Aber das geht nicht. Man muss etwas tun. Verantwortung übernehmen. In Bewegung bleiben.
Ohne Bewegung ist nur der Tod. Ich spiele in Gedanken mit diesem Satz. Was bewegt Menschen? Wenn in den Nachrichten schockierende Bilder zu sehen sind, werden Menschen berührt. Ein schwerer Unfall auf der A3, der Amoklauf in einer Kaserne, die Trauerfeier für einen Fußballstar. Diese Bilder bewegen. Persönliche Schicksale gehen uns oft sehr nah.
Erst recht, wenn es um Menschen geht, die wir kennen. Jeden Freitag macht sich Frau Jansen auf den Weg zur Tafel, einer Lebensmittelausgabe für Bedürftige. Die öffnet um 14 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum. Frau Jansen wohnt im Nachbardorf und kommt zu Fuß. Sie ist 72 Jahre alt und geht ein wenig gebückt. Sie zieht einen kleinen Koffer auf zwei Rollen hinter sich her und hofft, dass es wieder einiges gibt, was sie mitnehmen kann. Obst, Gemüse, Milch, Brot. Mit ihren kleinen Schritten zieht sie jeden Freitag los. Sie braucht fast eine Stunde für einen Weg. Dass es mitten in Deutschland so eine Armut gibt, habe ich nicht gewusst, sagt eine ehrenamtliche Helferin, die gerade neu angefangen hat. Das Schicksal dieser Frau geht ihr nah.
Von etwas bewegt sein, ist ein starkes Gefühl. Und es bewegt Menschen dazu, selber etwas zu tun. Etwa 20 Ehrenamtliche helfen bei der Tafel mit. Sie wollen, dass etwas anders wird. Ihre Arbeit ist auch ein stiller Protest gegen die Armut in unserem Land. Sie wollen etwas bewegen.
In Kirchengemeinden gibt es ein hohes zivilgesellschaftliches Engagement. Das haben Soziologen herausgefunden. An keinem anderen Ort finden Menschen so gute Möglichkeiten, um etwas zu bewegen. Ein Umweltbewegter kümmert sich um die Solaranlage auf dem Kirchendach und findet Mitstreiter dafür, eine Gruppe von Frauen gründet einen Besuchsdienst, sie gehen zu älteren und kranken Menschen in der Nachbarschaft, Jugendliche arbeiten selbst im Jugendzentrum der Gemeinde mit, leiten Gruppen, backen Pizza, schlichten Streit.
Es stimmt schon, viele Menschen wollen etwas bewegen. Sie wollen selbst Verantwortung übernehmen. Das ist nicht selbstverständlich. Aber für die meisten ist es eine gute Erfahrung. Ich kann etwas bewirken. Wenn ich etwas ändere, wird auch etwas anders.
In Bewegung
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