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Die Schlange
Letztes Jahr war in Bremen der evangelische Kirchentag und wir waren mit ein paar Leuten da. Abends sind wir zu einer Kabarettvorstellung gegangen von Duo-Camillo ansehen.
Dies sind zwei Pfarrer, ein evangelischer, ein katholischer. Die machen Kirchenkabarett. Das ist sehr, sehr gut. Und es kommen immer extrem viele Leute, um sie zu sehen. Deswegen sind wir schon zwei Stunden vor der Vorstellung zu dem Theater gegangen. Und bereits da war schon eine Schlange. Aber es war nicht so voll und wir haben uns brav angestellt und haben gewartet. Irgendwann fing es an zu regnen und es wurde immer kälter und es wurde windig. Irgendwann wurde dann die Tür geöffnet. Es war Einlass. Kurz bevor wir am Eingang waren, kamen drei Jugendliche aus der U-Bahn, die waren um die 12 14 Jahre alt. Und gucken sich kurz um und sahen die lange Schlange und dachten sich wohl: Nee, wir haben keine Lust zu warten. Sie gingen sofort zum Eingang, drängelten sich einfach unter die Menschen. Und schwups, waren sie drin.
Ich dachte, sage ich das jetzt dem Türsteher Bescheid, dass die jetzt reingeschmuggelt haben? Aber hier den Platz in der Schlange, den riskiere ich doch nicht. Ich will ja auch noch rein. Ist ja mein Problem. Ein paar Sekunden später waren wir dann drin. Aber genau hinter uns die Leute kamen nicht mehr rein.
Da habe ich gedacht, wie unfair und ungerecht es doch eigentlich ist, wenn man etwas sieht und nicht eingreift. Nur weil man meint, dass es nicht sein eigenes Problem ist. Denn unsere Gesellschaft kann ja nur besser oder fairer werden, wenn jeder hinschaut und darauf achtet, dass im besten Falle niemand draußen bleiben muss.
Sprecher: Gernot Hoersch
Die Schlange
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