Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.01.10, Beate Raguse

Fremdschämen

In diesem Jahr steht es zum ersten Mal im Duden, das Wort „fremdschämen“.Gemeint ist das Gefühl, das sich nachmittags beim Gucken einer Talkshow einstellen kann.

Wenn privates und intimes ohne Rücksicht auf Verluste in die Öffentlichkeit geholt werden und manch einer vor dem Fernseher gar nicht hinsehen mag - aus Scham. Der Duden erklärt „fremdschämen“ als „sich für die Fehler anderer schämen.“

Wer mehr wissen will, muss selber forschen und landet schnell bei Adam und Eva. Den ersten Menschen, von denen die Bibel berichtet. Die kannten am Anfang gar keine Scham, flitzten nackt im Paradies umher. Bis, ja bis sie von der Frucht der Erkenntnis aßen, plötzlich wussten, dass es „gut“ und „böse“ gab und merkten, dass sie nackt waren.

Scham hat mit Erkennen zu tun; mit dem Erkennen der eigenen Person, der eigenen Grenzen. Scham zeigt; hier bin ich verletzlich. Hier muss ich mich schützen, auf mich aufpassen. Keine Frage: Scham ist unangenehm, aber sie hat auch ihr Gutes. Sie bewirkt, dass ich auf mich aufpasse.

Und „fremdschämen“ ? Um es kurz zu machen; Fremdschämen kann nichts. Fremdschämen führt nicht dazu, dass sich jemand schützt. Sich für andere schämen ist Gefühlsvergeudung. Wer Menschen, die nicht auf sich achten, helfen will, muss z.B. ausschalten.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Fremdschämen


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