Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.12.09; Christvesper

Die ARD sendet am Heiligen Abend von 15.55 Uhr bis 16.40 Uhr die Christvesper aus der Ev. Petrikirche in Mülheim an der Ruhr.

1. Predigt - Pfarrerin Karla Unterhansberg

Die Hirten
Liebe Gemeinde! Es war ein Abend wie jeder andere… Hirten sind vor der Stadt bei ihren Schafen. Sie arbeiten, wenn andere Ruhe haben. Auch heute Nacht wird gearbeitet: Krankenschwestern und Taxifahrer, Altenpflegerinnen, Lokführer und Ärztinnen, Polizisten und Kellnerinnen. Ob es für sie und uns heute Gelegenheit gibt, dass diese Zeit mehr ist als Alltag?

Keine Nacht wie jede andere wird es für die Hirten. Engel reden mit ihnen und sie machen sich auf den Weg. Sie wollen das versprochene Wunder sehen. Fragen begleiten sie: „Ob es stimmt, was die Engel gesagt haben? Ob es mehr ist als ein schöner Traum: Leben in Liebe, ein Retter, Frieden?“ Ihre Sehnsucht ist groß. Nach einem, der Land und Leute von fremder Herrschaft befreit, der einem die Lasten des eigenen Lebens abnimmt, der löst, was einengt. Auch wir wünschen uns, dass unsere Hoffnungen nicht enttäuscht werden.

Die Hirten finden den Stall, Maria und Josef mit dem Kind. Sie entdecken das versprochene Zeichen von Gottes Zuwendung in ihrer Lebenswelt. Sie erfahren, ein Baby, angewiesen auf Zuwendung, bringt Frieden und Gottes Liebe. Was Jesus als Erwachsener lebt, wird hier schon von dem kleinen Kind gesagt. Wie die Hirten bringen wir unsere Fragen und Zweifel, unsere Talente und Probleme mit. Wir müssen nicht groß und edel sein, um zur Krippe zu kommen. Wir müssen uns aber auch nicht klein machen, um willkommen zu sein. Leistung, Haben, Tun werden unwichtig. Das Unfertige, Schwache erhält einen neuen Wert. Wir dürfen uns Zeit nehmen. Zeit, alles aufzunehmen, innezuhalten.

Aber selbst auf eine besondere und außergewöhnliche Nacht folgt ein Morgen. Die Hirten sind zu ihren Schafen zurückgekehrt. Äußerlich hatte sich vielleicht nichts verändert. Dennoch war etwas anders, waren sie erfüllt von ihrer Begegnung mit Gott. Wie wird es uns nach den Weihnachtsfeiertagen gehen? Was bleibt? Was wird uns erfüllen? Kriege, die Folgen des Klimawandels und Arbeitslosigkeit sind Fragen an unseren Glauben: Wo sind Frieden und Gerechtigkeit? Bringt Weihnachten nur eine Flucht in Träume? Nein. Weihnachten stärkt den Glauben, ermutigt uns, aktiv zu werden, Träume zu leben: indem wir füreinander da sind, respektvoll über- und miteinander reden. Weihnachten feiert Hoffnung mitten in unserer Welt. Gott wird Mensch. Er kommt in unser Leben, in unseren Alltag. Er kennt unsere Freuden, Aufgaben und Sorgen. Er sieht die, die sonst übersehen werden, die, die Verantwortung übernehmen, auch die, die sich allein fühlen.

Das lässt Angst weichen und ermutigt, das eigene Leben zu gestalten. Auch darin liegt ein Wunder, ein Geschenk. Nicht nur für einen festlichen Tag  sondern für unser Leben. Der das Leben der Hirten berührt hat, begegnet auch uns. Lassen wir uns von ihm beschenken.

Dann ist es nicht eine Nacht wie jede andere, dann hoffen und leben wir neu. Amen.


2. Predigt - Pfarrer Peter Vahsen

Die Weisen
Sie sind gekommen, die Gebildeten, Menschen mit Verstand und Herz und – mit Erwartungen: wie Sie heute am Heiligen Abend in ihren Wohnungen, hier in der Kirche.

Die Weisen haben sich aufgemacht, sind weite Wege gegangen, auch Umwege: waren bei Herodes, dem König. Vom Stern haben sie sich leiten lassen. Ihre Heimat haben sie verlassen, ihre Familien, Ein Wagnis - scheinbar  mit nichts in der Hand. Da  waren nur ein  Stern am Himmel, eine Hoffnung im Herzen. Ich stelle sie mir vor, die Weisen:   Wie sie aus geordneten Lebensbahnen ausbrechen und sich auf den Weg machen. Menschen mit Sehnsüchten.

Dann sind sie angekommen, nicht im Palast, sondern in einem Stall. Sie begegnen einer Familie mit Kind. Die Weisen staunen: sind wir hier richtig? Sie  treten näher, nehmen Maria und Josef, das Kind wahr. Erst langsam wird ihnen klar: sie sind am Ziel. -

Auch mit unserem Seelenleben hat Weihnachten zu tun. Wir sind  den Weisen ähnlich: wir folgen einem Licht, haben Erwartungen...  Dem Leben eine entscheidende Wende geben! Leicht gesagt, schöne Träume - schwer umzusetzen. Wie haben es die weisen Menschen damals gemacht? Sie haben in den Himmel geblickt, haben gehofft, sich nicht beirren lassen. Sie haben sich  aufgemacht:  Kopfschütteln bei Nachbarn, Entsetzen bei der Familie:

Wir kennen das von Menschen, die neue Wege gehen: Abraham, die Jünger Jesu.  Auch Sie kennen Menschen, die Neues beginnen. Da macht ihr Enkel ein freiwilliges soziales Jahr, geht  ins Ausland. Sie hören  Bedenken, und die Frage: Muss das denn sein? Ja, es muss wohl sein:  wenn ich das Leben entdecken will – muss ich die Augen aufmachen. Die Weisen haben sie aufgemacht.

Aus dem Blick in den Himmel ist der Blick in den Stall geworden. Sie haben begriffen: Gott ist uns nahe gekommen, hat sich vom Himmel herab bewegt.  Göttlichkeit zeigt sich im Menschen. Die Weisen kommen nicht mit leeren Händen. Gold als ein besonderer Schatz Weihrauch als Symbol des Opfers. Myrrhe als Heilmittel Es ist das Beste, was sie haben. -

Sie, liebe Gemeinde, feiern Weihnachten zu Hause, hier in der Kirche, gehen zum Stall mit Ihren Sehnsüchten. Und Sie erleben: Gott kommt aus dem Himmel auf die Erde. Ich stelle mir vor, wir kommen zur Krippe und sagen: Hier sind wir mit unserem Leben, mit Hoffnungen, auch mit Zweifeln. Wir bringen mit, was uns wertvoll ist. Was kann das wohl bewirken? Wir werden andere Menschen!

Die  Weisen gehen andere Wege zurück, sie lassen den König Herodes links liegen. Weihnachten 2009: Gott wird Mensch, doch der Mensch nähert sich auch Gott.
Wir kommen dem Ziel, dem Grund unseres Lebens nahe. Wir gehen zur Krippe und werden verwandelte Menschen, Wir kehren erfüllt und gestärkt  zurück in unseren Alltag. Erzählen werden wir: wir waren in Bethlehem, Quelle und  Ziel unserer Hoffnung. Unser Leben ist anders geworden – Gott sei Dank. Amen


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