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Warum sollt ich mich denn grämen? (eg 370)
Autorin: Wird es besser? Wird es schlimmer? Was mag es wohl bringen? Das Neue Jahr!Wer wird unsere Wege kreuzen? Das Glück oder der Schmerz.
Werden wir Tränen weinen oder lachen? Ein neues Jahr liegt vor uns. Und mit ihm Wünsche und Sehnsüchte. Hoffnungen und Ängste. Und so manche Frage. Fragen, die alle Generationen zum Jahreswechsel begleiten. Nicht nur bei uns. Weltweit. Fragend beginnt das neue Jahr -wie ein Choral von Paul Gerhardt.
Choral 1 (1. Strophe): Warum sollt ich mich denn grämen? / Hab ich doch Christus noch, / wer will mir den nehmen? / Wer will mir den Himmel rauben, / den mir schon Gottes Sohn / beigelegt im Glauben?
Autorin: Allen Grund, sich zu grämen und sich Sorgen zu machen, hätte er wohl gehabt, der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt. Als er seinen Choral 1653 schreibt, ist der 30jährige Krieg seit fünf Jahren beendet. Dennoch herrschen immer noch Not und Hunger in Deutschland. In manchen Landstrichen hat der Krieg die Bevölkerung gar halbiert. Keine Kranken- oder Sozialversicherung. Keine verlässliche Wiederaufbauhilfe von der Obrigkeit. Keinerlei Lebenssicherheit. Stattdessen ein verwüstetet Land und der Tod als ständiger Begleiter. Die Zukunftsaussichten sind alles andere als hoffnungsvoll. Und trotzdem lautet das Motto für Paul Gerhardt: bange machen gilt nicht! gerade für Christen.
Choral 1 (Strophe 7): Unverzagt und ohne Grauen / soll ein Christ, wo er ist, / stets sich lassen schauen. / Wollt ihn auch der Tod aufreiben, / soll der Mut dennoch gut / und fein stille bleiben.
Sprecherin: Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen.
Autorin: Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ der Welt begegnen. Paul Gerhardt stellt hohe Ansprüche an sich und seine Glaubensgeschwister. Mehr noch, er scheint eine klare Vorstellung von Christenmenschen zu haben. Sie sind keine Angsthasen und keine Jammerlappen. Wer auf Christus vertraut, für den kann nicht gelten: Augen zu und durch. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Der steckt nicht den Kopf in den Sand oder ertränkt sich in den eigenen Tränen. Christen schauen dem Leben ohne Angst, offen und direkt in die Augen. Mutig, freundlich und voller Neugierde - wie die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf: Sprecherin: Man sollte nicht ängstlich fragen: Was wird und kann noch kommen? Sondern sagen: Ich bin gespannt, was Gott jetzt noch mit mir vorhat. (Selma Lagerlöf)
Choral 3 (Strophe 3): Gut und Blut, Leib, Seel und Leben / ist nicht mein, Gott allein / ist es, der's gegeben. / Will er's wieder zu sich kehren, / nehm er's hin; ich will ihn / dennoch fröhlich ehren.
Sprecher: Gut und Blut, Leib, Seel und Leben ist nicht mein, Gott allein ist es, der's gegeben. Will er's wieder zu sich kehren, nehm er's hin; ich will ihn dennoch fröhlich ehren.
Autorin: Den Anforderungen des Lebens mit christlicher Fröhlichkeit zu trotzen, ist leichter gesagt als getan. Wir können nicht abschätzen, welche Auswirkungen die Wirtschafts- und Finanzkrise noch haben wird. Wie viele Menschen ihre Arbeit noch verlieren werden? Wird eine schwere Krankheit plötzlich unsere Lebenspläne zerstören. Trennt uns gar der Tod von dem liebsten Menschen? Die Sorgen sind verständlich und für viele von uns berechtigt. Unser Schicksal können wir nur selten in die Hand nehmen. Aber die Art und Weise, wie wir damit umgehen. Wie wir den Sorgen und Nöten begegnen, die sicherlich auch in diesem Jahr an unsere Tür klopfen werden. Sich berechtigte Sorgen zu machen oder sich von den Sorgen auffressen zu lassen, sind dabei zweierlei betont Martin Luther:
Sprecher: Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.
Choral 3 (Strophe 4): Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, / dringt herein Angst und Pein, / sollt ich drum verzagen? / Der es schickt, der wird es wenden; / er weiß wohl, wie er soll / all mein Unglück enden.
Sprecher: Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angst und Pein, sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden.
Autorin: Egal, welches Kreuz, welches Päckchen sie auch tragen müssen, Christen sind nicht allein. Je aussichtsloser die Situation erscheint, umso größer wird der christliche Trotz, sich im Unglück nicht zu verlieren. Christen gehen nicht naiv und blauäugig durchs Leben. Auch für das neue Jahr rechnen sie mit allem zuallererst aber mit dem Besten. Auch Paul Gerhardt wird sich so manchen Tag seines Lebens gefürchtet haben. Aber nicht seine Ängste haben überwogen, sondern sein Glaube. Sein Choral erinnert daran, die Hoffnung nie zu verlieren. Die Hoffnung, dass sich so manche Neujahrswünsche doch erfüllen werden. Zumindest ein bisschen.
Sprecherin: Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit. Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid. Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass. Ein bisschen mehr Wahrheit - das wäre was. Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh. Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du. Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut. Und Kraft zum Handeln - das wäre gut. In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht. Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht. Und viel mehr Blumen, solange es geht. Nicht erst an Gräbern - da blühn sie zu spät. (Peter Rosegger)
Choral 1 (11. Strophe): Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, / du bist mein, ich bin dein, / niemand kann uns scheiden. / Ich bin dein, weil du dein Leben / und dein Blut mir zugut / in den Tod gegeben;
Sprecher: Wird's besser? Wird's schlimmer? Fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich. (Erich Kästner)
Autorin: Erich Kästner sagt es humoristisch: jedes Fragen und Spekulieren über die Zukunft ist letztlich müßig. Leben können wir nur ganz oder gar nicht. Was kommen soll, wird kommen. Doch wir können es aus Gottes Hand nehmen und darauf Vertrauen, dass Er uns durch jeden Tag leiten wird. Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich. (Joh 14,1) Mit dieser biblischen Losung für 2010 wünsche ich Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, ein frohes und gesegnetes Neues Jahr! Und egal, was es für Sie bringen mag - ob es schlimmer wird oder besser - Ihr Herz wird nicht erschrecken, solange Sie Gott nicht aus Ihrem Herzen lassen.
Sprecher (Strophe 12): Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Lass mich, lass mich hingelangen, da du mich und ich dich ewig werd umfangen.
Choral 2 (Strophe 12): Du bist mein, weil ich dich fasse / und dich nicht, o mein Licht, / aus dem Herzen lasse. / Laß mich, laß mich hingelangen, / da du mich und ich dich / ewig werd umfangen.
Musikinformation: Es sang unter anderem die Jugendkantorei der evangelischen Auferstehungskirche Essen unter der Leitung von Ursula von den Busch.
Warum sollt ich mich denn grämen? (eg 370)
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