Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.01.10, Pfarrerin Birgit Winterhoff

"Wünsche für das neue Jahr"

Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer, haben Sie Wünsche für das neue Jahr? „Ich wünsche mir, immer noch einige Wünsche offen zu haben.“

Das sagte mir vor kurzem ein Mann, als ich ihn nach seinen Wünschen für 2010 fragte. Eine kluge Antwort! „Wunschlos glücklich“ ist zwar der Zustand, nach dem wir streben. Aber es sind gerade auch die unerfüllten Wünsche, die das Leben spannungsreich, lebendig, beglückend machen. Beglückend vor allem dann, wenn wieder einmal ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung geht. Unsere offenen Wünsche sind die Motoren für Veränderungen.

Wünsche für das neue Jahr? Diese Frage ist für die meisten Menschen nicht schwer zu beantworten. Es sind häufig ähnliche Wünsche wie schon zu Beginn des letzten Jahres. Grundlegende Dinge werden genannt, die für uns Menschen von großer Bedeutung sind.

Wir wünschen uns Gesundheit. Gesundheit für uns selbst und für unsere Angehörigen. Das steht ganz oben auf der Wunschliste. Der Einzelne kann viel dazu beitragen, gesund zu bleiben. Ernährung, Bewegung, Umgang mit Genussmitteln spielen eine Rolle. Neueste Forschungsergebnisse belegen sogar, dass Menschen, die regelmäßig zur Kirche gehen, länger leben. Aber gerade mit der Gesundheit ist auch ein großes Maß an Unwägbarkeiten verbunden. Wer hat es nicht schon erlebt, dass ein Mensch mitten in blühender Gesundheit plötzlich von einer schweren Krankheit heimgesucht wurde? Die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit unseres Körpers und unseres Lebens wird uns angesichts solcher Ereignisse bewusst. Das kann Angst machen. Andere wünschen sich, dass der Beruf gesichert ist. Aber alles in allem weiß keiner, was das Jahr 2010 alles bringt.

Auch die Wünsche nach Frieden und Freiheit werden oft genannt. Was wird aus den vielen Krisengebieten weltweit? Manche schieben diese Fragen an den Feiertagen gern weg. Aber die Sorgen bleiben und die Probleme auch. Verdrängung ist keine Lösung, höchstens eine vorübergehende Ablenkung. Meine Wünsch für das neue Jahr: Natürlich viel von dem Genannten.

Mich hat in der letzten Zeit ein Wort des früheren Bundespräsident Gustav Heinemann begleitet. Einmal gehört, habe ich es nicht vergessen. „Die Herren dieser Welt gehen“, hat er gesagt und hinzugefügt: „Aber unser Herr kommt.“ Und er meinte damit Jesus Christus.

Er, dessen Geburt wir Weihnachten gefeiert haben, kommt wieder und bringt Gottes Reich. Da gibt es keine Tränen mehr, keine Krankheit, keinen Krieg. Es gibt keinen Tod mehr, nur prallvolles Leben. Wer diese Perspektive vor Augen hat, lebt heute schon anders. Er lebt gelassener. Engagiert sich für Menschen und ihre Not. Es kann ihn nicht mehr alles runterziehen. Gott geht mit uns, ist für uns da und regiert. Und zwar jeden Tag.

In einem Kirchenlied, das in diesen Tagen in Gottesdiensten gesungen wird, heißt es:
„Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, daß ihr ein Segen für seine
Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht. Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.“

Audiobeitrag "Wünsche für das neue Jahr"


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