Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

30.12.09, Pfarrerin Birgit Winterhoff

"Der Himmel kommt zur Erde"

Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer, „Frag seine Mutter Maria, frag die Hirten, frag die weisen Männer, wie arm er war.

Er schlief in einer Krippe, die jemand anderem gehörte. Er fuhr über den See in einem Boot, das jemand anderem gehörte. Er ritt auf einem Esel, der einem anderen gehörte. Er wurde in ein Grab gelegt,  das ein anderer sich hatte bauen lassen. Er hat das alles getan, um alles, was er hatte, mit uns zu teilen: sein Leben, seine Herrlichkeit, seinen Platz beim Vater.“

So heißt es in einem Weihnachtsgespräch aus Sri Lanka. Ein Glück, dass wir als Christen in einer ökumenischen Gemeinschaft leben. So können Christen aus anderen Lebenssituationen uns auch in Deutschland den radikalen Zug des Evangeliums in Erinnerung rufen.

An Weihnachten gerät Oben und Unten durcheinander. Der Himmel kommt zur Erde. Christus hat Anteil an Gottes Fülle - und wird doch arm um unsretwillen. Gottes Größe besteht darin, dass er ganz klein werden kann. Er nimmt Partei für die Schwachen. Der Weg Jesu zeigt es. Er achtet auf die, die klein, schwach und arm sind. Er stutzt den Reichtum, die Macht und alle vermeintliche Größe auf das Normalmaß zurück. Auch die Einflussreichen sind Menschen mit begrenzter Vollmacht. Auch die Reichen können ihrer Lebenszeit nichts hinzusetzen. Auch die Mächtigen haben die Welt nicht zum Eigentum erhalten. Sie ist allen Menschen gemeinsam anvertraut.

Wer mit dem Glauben ernst macht, ist auf die radikale Gleichheit aller Menschen verpflichtet. Er kennt keine Unterschiede der Würde zwischen den Menschen, sondern nur eine einzige unteilbare Menschenwürde. Er kennt keine unterschiedlichen Rechte für Reiche und Arme, Mächtige und Schwache, sondern nur ein einziges Menschenrecht. Und deshalb kann es auch nur ein einziges Kriterium für die Ausübung politischer und wirtschaftlicher Macht geben:

Die Würde aller Menschen achten und das eine Menschenrecht fördern. Gottes Erbarmen ist keine herablassende Großzügigkeit, die unerwartet kommt und willkürlich entzogen werden kann. Gottes Erbarmen ist verlässlich. Er steht zu denen, die besonders dringend darauf angewiesen sind, Hilfe zu finden, um den aufrechten Gang nicht zu verlernen. Er gibt niemanden auf. Niemand muss sagen: Ich bin nicht gemeint. Ich bin zu weit weg.

Weihnachten geht es um eine einzigartige Bewegung. Der Himmel kommt auf die Erde und steht allen offen. Der Apostel Paulus beschreibt das so: „Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um unsretwillen, damit ihr durch seine Armut reich werdet.“

Audiobeitrag "Der Himmel kommt zur Erde"


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