Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.12.09, Jörn Heller

Selbstbewusst träumen (Apostelgeschichte 2,17)

Musik: „Mit siebzehn hat man noch Träume, da wachsen noch alle Bäume in den Himmel der Liebe." (Peggy March)

Autor: Schön! Und wenn man keine siebzehn mehr ist? Und feststellt, dass die Bäume nicht so gerade in den Himmel gewachsen sind? Was dann? Einfach aufhören zu träumen?
 
O-Ton: „Träume sind Schäume!“

Autor: Nun ja, zugegeben, oft haben Träume mit der Realität nicht viel zu tun. Manchmal vernebeln sie uns die klare Sicht und gaukeln uns Möglichkeiten vor, die wir gar nicht haben. Aber sollten wir deshalb auf Träume ganz verzichten? Noch in der größten Illusion steckt ja doch immerhin ein Teil von uns, eine Art Sehnsucht, die untrennbar mit unserem Wesen verbunden ist.

Musik: „Illusionen, Illusionen sind das Schönste auf der Welt. Illusionen, Illusionen, sie sind das, was uns am Leben hält.“ (Hildegard Knef)
        

Autor: Gut, was uns am Leben hält, das sind vielleicht nicht gerade die Illusionen selbst, sondern eher das, was hinter ihnen steckt: unser unstillbares Verlangen nach mehr. Selbst wenn unsere Träume gelegentlich Illusionen gleichen, so beweisen sie uns doch: Wir sind noch nicht tot, wir erwarten noch etwas vom Leben, wir sind noch nicht völlig abgestumpft.

O-Ton: „Unsere Träume sind das, was uns am meisten ähnelt.“

Autor: ... schreibt Victor Hugo in seinem Roman „Les Misérables“. Ja, wenn unsere Träume doch so viel Ähnlichkeit mit uns haben, dann müsste sich doch auch im wahren Leben etwas daraus machen lassen, das zu uns passt. Dann muss doch irgendetwas drin sein im Traum, das sich greifen und in die Tat umsetzen lässt!

O-Ton: „I have a dream that one day...” (Martin Luther King)

Autor: Ich habe einen Traum! Mit diesen Worten beschrieb Martin Luther King vor 46 Jahren seine Hoffnung auf Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen. Und er hat diesen Traum ziemlich konkret geträumt. Die Geschichte hat inzwischen gezeigt, was aus Träumen werden kann, wenn man sie ernst nimmt und ihnen nachgeht.

O-Ton: „Die Jungen unter euch sollen Visionen haben und die Alten Träume!“

Autor: ... so heißt es in der Apostelgeschichte. Auch hier werden Träume positiv gesehen. Sie werden sogar als eine Art Gottesgeschenk betrachtet. Selbst alte Menschen sollen sie noch haben. Träume sind ein Zeichen von Lebendigkeit, meiner Lebendigkeit. Sie eröffnen mir neue Perspektiven und lassen mich erwartungsvoll in die Zukunft blicken.
Ich darf also träumen, auch wenn ich keine siebzehn mehr bin. Denn immerhin: Ich lebe doch noch! Ich habe noch Wünsche, Pläne und Ziele. Und deshalb immer noch Raum für einen Traum.

Musik: „...I have a dream.“ (die letzten Takte des ABBA-Musicals „Mamma Mia!“) 

Quellen:
Peggy March: Die schönen Stunden (LC 08637)
Hildegard Knef: Ich bin den weiten Weg gegangen (LC 00268)
Benny Andersson/Björn Ulvaeus: Mamma Mia! The Musical (LC 00309)

Audiobeitrag Selbstbewusst träumen (Apostelgeschichte 2,17)


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