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Stillesein! (Psalm 37, Vers 7)
Es wird schon viel geredet! Ob es der Theologe ist, der um kurz vor sechs schnell noch versucht, seine religiösen Weisheiten unters Volk zu bringen,
ob es der Nachrichtensprecher ist, der die Meldungen des Tages verliest, oder der Moderator, der den nächsten Beitrag ankündigt: Es wird geredet, viel geredet, und das nicht nur im Radio.
Warum auch nicht? Immerhin ist es doch die Sprache, die uns Menschen von den Tieren unterscheidet. Warum sollten wir also diesen Vorteil nicht nutzen? Hat nicht Gott selber die Erde erschaffen, indem er sprach? Und heißt es nicht zu Beginn des Johannes-Evangeliums Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott? Mag sein. Die Frage ist aber, ob deshalb das Wort auch bei uns immer am Anfang stehen, ob es auch bei uns immer das letzte Wort haben muss.
Oft läuft es doch so: Man redet und hat sich nichts zu sagen. Man quatscht sich um Kopf und Kragen und kann doch nicht recht ausdrücken, was einen im Innersten bewegt. Man textet sein Gegenüber zu und hat doch das Gefühl, nicht wirklich von ihm verstanden zu werden. Und so redet man weiter in der Hoffnung, dass zuguterletzt beim andern doch noch irgendetwas Richtiges, Wichtiges hängen bleibt.
Nun ist es mit Worten ähnlich wie mit Medikamenten: Sie verlieren bei übermäßigem Gebrauch ihre Wirkung. Worte, leichtfertig und in allzu hohen Dosen verabreicht, laufen Gefahr, ihre Bedeutung und ihr Gewicht zu verlieren, und dann gleichen sie abgeschliffenen Kieselsteinen, denen im Laufe der Zeit die scharfen Kanten verloren gegangen sind. Abgeschliffene Worte aber sind kranke Worte, und solch kranken Worten muss man regelmäßig eine Kur verschreiben, damit sie wieder gesunden und zu Kräften kommen können. Was die Sprache betrifft, sind wir alle behandlungsbedürftige Patienten.
Als Therapie für unsere kranke Sprache empfiehlt die Bibel unter anderem das Schweigen. In Psalm 37 heißt es: Sei stille dem Herrn und warte auf ihn! Anders gesagt: Werde still vor Gott und öffne dich für den, der mit seinem Wort die Welt erschaffen hat. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, denn mit dem Stillewerden ist es heute schwieriger denn je. Bei allem Gerede, dem wir jeden Tag ausgesetzt sind, ist es schwer, den Schalter umzulegen und die Stimmen abzuschalten, die sich tausendfach um uns und in uns erheben. Nein, leicht ist es nicht, stille zu werden. Um so wichtiger ist es, dass wir es üben.
Vielleicht müssen wir dabei einfach klein anfangen, und vielleicht wäre ein guter Anfang schon damit gemacht, dass wir in unserem Alltag darauf verzichten, immer nur zu reden, und stattdessen versuchen, mehr auf das zu hören, was uns der andere sagen will. Man hört sich ja gerne selber reden, und wahrscheinlich ist das mit ein Grund dafür, dass wir oft auf so mangelhafte Weise miteinander kommunizieren. Stille werden vor den Mitmenschen, das könnte ein gelungen Auftakt für unser Schweige-Training sein. Und was das Stillewerden vor Gott angeht, jenem Gott, der uns in der Bibel überall seine Nähe und Hilfe beteuert, so will auch das gelernt sein. Und man lernt es nicht, indem man darüber redet!
Stillesein! (Psalm 37, Vers 7)
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