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Gute Aussichten für Morgen - Sven Plöger, Weihnachten und der Klimawandel
Autor: Advent ist die Zeit der Träume, Träume und Visionen von einer anderen besseren Welt. Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, meinte vor Jahren unser Altbundeskanzler
Helmut Schmidt.
1. O-Ton Sven Plöger: Wer Visionen hat, soll sich überlegen, wie er sie möglicherweise umsetzen kann und wie er andere Leute davon begeistern kann.
Autor: Setzt dem Sven Plöger entgegen, der Wettermann und Klimaexperte aus Hörfunk und Fernsehen. Sven Plöger und wir von der Kirche und viele andere, wir sind lieber krank vor Hoffnung und Sehnsucht, als dass wir sie uns austreiben lassen, die Träume und Visionen von einer besseren Welt. Ich bin Dietmar Silbersiepe, Evangelischer Pfarrer in Düsseldorf.
Die Realität ist ernüchternd, wie der Klimagipfel in Kopenhagen gezeigt hat. Trotz aller Bemühungen ist am Ende nicht viel mehr herumgekommen außer gut formulierten Absichtserklärungen. Und das bei einem Thema, bei dem es um das Überleben auf unserem Planeten geht. Die Zahlen und Gefahren sind ja längst bekannt und benannt: Wenn wir nicht bereit sind, bis Mitte des Jahrhunderts den CO2-Ausstoß zu halbieren, werden Teile der Welt unbewohnbar.
Wir wissen viel und handeln wenig. Nicht nur die Politiker, auch wir Bürgerinnen und Bürger. Jedes Jahr verbrauchen wir Riesenmengen an Energie für die Weihnachtsbeleuchtung in den Innenstädten und den Vorgärten der Privathäuser. Wir reisen mit dem Flieger über die Weihnachtstage mal eben auf die Malediven, solange es sie noch gibt. Wir kaufen Spielkonsolen und Modeschnäppchen, die einmal um den ganzen Globus gereist sind, bevor sie bei uns auf dem Laden- und Gabentisch landen. So ist sich jeder selbst der Nächste, wie eine aktuelle Straßenumfrage aus dem Magazin Monitor zeigt:
Passantin: "Man lebt, wie gesagt, nur einmal, und wenn man jetzt sich für alles einen Kopf machen würde
"
Passant: "
wenn wir fliegen müssen, fliegen wir. Dann machen wir uns eigentlich keinen Kopf um die Umwelt, sagen wir mal so."
2. Passantin: "Man ist viel zu phlegmatisch, man stellt andere Dinge in den Vordergrund, die vielleicht gar nicht so wichtig sind, und das liegt an einem selber."
3. Passant: "Also jetzt klar, Mülltrennung. Aber ansonsten - nicht sehr viel."
Reporter: "Warum nicht?"
3. Passant: "Ja, weil ich glaube, man vergisst es täglich."
Autor: Gegen das Vergessen hilft der Glaube. Sagt jedenfalls die Bibel. Der Glaube, dass wir unser Leben mitsamt dem Planeten, auf dem wir existieren, nicht uns selber zu verdanken haben sondern Gott, der gesagt hat: Ihr sollt es sinnvoll nutzen euer Leben und die Erde für euch und eure Kinder bebauen und bewahren und dabei gut auf sie aufpassen, damit auch die Enkel und Urenkel gut auf ihr leben können.
Musik: Yaron Herman, Variations, Piano Solos, Track 4, Jerusalem of Gold
2. O-Ton Plöger: Die Zielsetzung in Sachen Klimawandel ist schon zum Schluss, dass die menschliche Gesellschaft es herbringt, ein paar Dinge wirklich zu verändern, zu verbessern, dass wir auch in Zukunft auf unserem Planeten ganz nett leben können.
Autor: Sven Plöger, der Wetter- und Klimaexperte der ARD setzt dabei durchaus auf die Überzeugungskraft sachlicher Information.
3. O-Ton Plöger: Ich möchte einen Beitrag dazu liefern, Leute und zwar viele Menschen dadurch mitzunehmen, dass man ihnen wirklich mal nahe bringt, was da wirklich passiert im Klimasystem, und wenn viele wissen, was wirklich passiert, dann wird es glaube ich auch leichter, Menschen mitzunehmen, die dann sagen, okay ich verstehe jetzt, warum ich dies oder jenes tun oder vielleicht auch eher lassen soll.
Autor: Zum Beispiel weniger mit dem Auto fahren oder die 420-PS-Geländewagen, die keiner wirklich braucht, ganz abschaffen. Trotz Kopenhagen will der kämpferische Plöger die Hoffnung nicht aufgeben:
4. O-Ton Plöger: dass man über dieses nicht nur die Menschen selbst, sondern vielleicht auch Politiker erreicht, die heute in zum Teil erschreckend vereinfachter Form dieses Thema angehen und sich je nach Zugehörigkeit lobbymäßig in die eine oder andere Richtung verstricken.
Autor: Plögers Buch zum Klimawandel, das kürzlich erschienen ist, trägt den schönen Titel Gute Aussichten für morgen - wie wir den Klimawandel für uns nutzen können. Wir können, so sagt er, alle verfügbaren Informationen über die Klimaerwärmung nutzen, indem wir unseren gesunden Menschenverstand einschalten und dem Wandel im Klima endlich mit einem Wandel in der Energiepolitik begegnen. Fakt ist, dass zur Zeit immer noch 90 Prozent der Energie, die wir benötigen, aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird.
5. O-Ton Plöger: Wir brauchen derzeit auf dieser Welt jeden Tag 13,8 Milliarden Liter Erdöl, ich find das überraschend viel.
Autor: Bei dieser Menge wird in circa 40 Jahren keins mehr da sein.
Musik: Yaron Herman, Track 12, Fragile
6. O-Ton Plöger: Wir wissen, da ist etwas endlich, da schädigt etwas definitiv unser Klima, und wir verwenden es zu 90 Prozent zur Energieerzeugung und haben gleichzeitig, und das ist für mich das, wo wir umdenken müssen, eine Sonne, die uns da jeden Tag bescheint. Und, ich hab die Daten wirklich durchgerechnet: die Sonne liefert uns 5810 mal so viel Energie, wie die Menschheit 2007 insgesamt auf der ganzen Welt verbraucht hat. Und wir nutzen 0,05 Prozent der Sonnenenergie weltweit. Wir machen da doch etwas falsch.
Autor: Auf Dauer, so hofft Sven Plöger, der kürzlich zum Botschafter der Sonne ernannt wurde, auf Dauer wird sich dieser Argumentation keiner, auch kein Politiker, verschließen können. Auf Dauer. Viel Zeit haben wir nicht mehr.
Aber warum um alles in der Welt geht das nicht schneller? Warum dauert es so lange, bis wir aus rationalen Einsichten Konsequenzen ziehen und anders handeln? Vermutlich weil wir Menschen sind, wie uns die Bibel lehrt und die Erfahrung zeigt, die in der Regel eher kurzsichtig auf sich selber bedacht sind als weitsichtig auf andere. Der nachhaltige Blick in die Zukunft scheint uns jedenfalls nicht angeboren zu sein. Manfred Milinski, Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie:
O-Ton Manfred Milinski: Also, wenn Sie einem Schimpansen die Wahl geben zwischen einer Banane jetzt und zehn Bananen in vier Stunden, dann nimmt er die Banane jetzt. Und das war sicher bei unseren Vorfahren auch so, wenn sie in irgendwas investieren mussten, von dem sie dann erst nach langer Zeit profitieren würden. Nur für das Klimaszenario sind diese Bauchregeln, nach denen wir uns gerne verhalten, schlecht. Weil da müssen wir ja etwas tun, was sich erst nach sehr, sehr langer Zeit positiv auswirkt. Und das müssen wir rational lösen.
Musik: Yaron Herman, Track 12, Fragile
Autor: Hoffen wirs inständig, dass die Menschheit in Sachen Klimawandel tatsächlich und möglichst schnell zur Vernunft kommt. Sven Plöger traut dem gesunden Menschenverstand ne Menge zu. Aber
7. O-Ton Plöger: Da muss noch ein Hauch Emotion mit rein. Im ersten Moment muss ich erst mal verstehen, worum gehts. Das ist dieser Vernunftteil. Und dann kommt dieser Teil mit der Emotion, wo ich sage: Ich muss auch einen Funken überspringen lassen.
Autor: Für die Einsicht, dass es nicht nur um meinen Bauch heute und jetzt geht, sondern um Verantwortung für die Zukunft und für die kommenden Generationen, dafür muss es ein inneres Feuer geben, ein Herz voller Leidenschaft, Leidenschaft für das Leben, Leidenschaft für Gott, der das Leben will, ders geschaffen hat und erhalten will.
8. O-Ton Plöger: Wobei ich nicht definieren kann, wie ich einen Schöpfer sähe, aber ich sag manchmal: Irgendjemand muss es ja gemacht haben. Und diesem gegenüber, weil das Ergebnis beeindruckend ist, habe ich Respekt.
Autor: Leidenschaft für das Leben und Respekt vor Gott, dem Schöpfer! Keine schlechten Voraussetzungen dafür, dass sich bei uns in der Klimafrage ein neues Bewusstsein für Generationengerechtigkeit entwickelt. Hoffentlich auch für Gerechtigkeit im Weltmaßstab! Denn die Leidtragenden der globalen Erwärmung werden vor allem die Menschen auf der südlichen Erdhalbkugel sein. Sie sind es jetzt schon. Derzeit leiden in vielen Regionen Ostafrikas weite Teile der Bevölkerung unter Wasserknappheit und Hunger. Für die Menschen dort ist klar: Das sind die Folgen der Klimaerwärmung, denn früher konnte man die Uhr danach stellen, wann der Regen einsetzte.
Heißt im Klartext: Die Armen zahlen die Zeche für das, was wir verursacht haben und von dem wir jahrzehntelang profitiert haben: von einem Wirtschaftswachstum, dem alles recht ist, was der Steigerung unseres Wohlstands dient. Niemand wird bestreiten können: Den Klimawandel haben vor allem die Industrienationen ausgelöst. Auch diese Vergleichs-Zahl ist bekannt: Ein Europäer verursacht derzeit soviel CO2-Emmission wie 28 Afrikaner.
Musik: Yaron Herman, Track 10, Drops
Autor: Nicht nur Meteorologen schreiben klasse Bücher, auch Fernsehjournalisten wie z.B. Markus Spieker aus dem ARD-Hauptstadt-Studio in Berlin: Faithbook: Ein Journalist sucht den Himmel. Darin schreibt er gleich am Anfang: Ich will Leben ohne Verfallsdatum, echte Nachhaltigkeit. Ich will das wahre Glück, will Liebe auf Dauer. Ich will in den Himmel. Jetzt ist es raus. Deshalb bin ich Christ, deshalb schreibe ich dieses Buch. Der Himmel ist Chefsache. Und wenn die letzten Dinge geklärt sind, kann ich mich locker um die Nächstliegenden kümmern, wie die sozialen und politischen Verhältnisse.
Musik: Nils Landgren, Christmas with My Friends II, Track 9, In Dulce Jubilo
Autor: An Weihnachten hat der Chef im Himmel Jesus auf die Erde geschickt und mit ihm für uns die Gewissheit: Die letzen Dinge sind geklärt: Ich gehöre zu Gott. Mein kleines Leben und das gesamte Leben auf diesem Planeten: In Gott ist es aufgehoben, in seiner unendlichen Liebe. Bei ihm hat es Zukunft, jetzt in dieser Erdenzeit und darüber hinaus in Ewigkeit, wenn Gott alles Leben neu schafft und wir wieder im Paradies sind.
Psychologen sagen: Die Sucht nach immer mehr, mehr Geld, mehr Wohlstand, neueste Mode, teure Autos, sie ist im Tiefsten die Sehnsucht nach dem Himmel, nach Heimat, nach Angenommen- und Anerkannt sein. Dafür ist durch Jesus gesorgt. Und so können wir uns um das Nächstliegende kümmern, um die nächsten Schritte zu einem verantwortlichen Lebensstil und zu einer nachhaltigen Politik. Vieles wird von uns abhängen, den Bürgerinnen und Bürgern. Die Politiker werden sich vermutlich erst dann ernsthaft bewegen, wenn sie glauben, damit Wahlen gewinnen zu können.
Ja, lieber Sven Plöger, wer Visionen hat, soll sich überlegen, wie er sie mit anderen zusammen umsetzen kann.
9. O-Ton Plöger: Für mich hat Religion schon eine Bedeutung, dass ich einfach sage: Es bringt Menschen zusammen, es bringt Gedanken zusammen, es bringt Linien für Gedanken zusammen. Und so ist es für mich auch leichter nachzuvollziehen, wie ich bei dem Thema Klimawandel jetzt wieder einen Funken von Mensch A auf Mensch B bringe, wenn ich weiß, da sind vielleicht ähnliche Gedanken.
Autor: Gute Aussichten für morgen, mit denen sich von Ihnen verabschiedet: Dietmar Silbersiepe von der Evangelischen Kirche in Düsseldorf.
Musik: Nils Landgren, Christmas with My Friends II, Track 7, Oh Little Town of Bethlehem
Straßenumfrage und O-Ton-Zitat von Manfred Milinski aus: DasErste, Monitor Nr. 600 vom 19.11.2009
Musik: Yaron Herman, Variations, Piano Solos, Laborie Records, LC 7496 Nils Landgren, Christmas with My Friends II, ACT, LC 07644
Gute Aussichten für Morgen - Sven Plöger, Weihnachten und der Klimawandel
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