Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.12.09, Pfarrer Klaus-Jürgen Diehl

Ein einzigartiger Name

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, erst überrascht der Engel Gabriel Maria, die Verlobte Josefs, mit der Botschaft, dass sie schwanger und einen Sohn zur Welt bringen

wird. Dann gibt er ihr die ausdrückliche Anweisung: sie soll ihren Sohn Jesus nennen. Dieser Name ist eine klare, an alle Menschen gerichtete Botschaft. Denn Jesus, hebräisch Jeschua, heißt übersetzt „Gott rettet“. Jahre später wird sich der Sohn Marias unumwunden in aller Öffentlichkeit dazu bekennen, dass er in die Welt gekommen ist, um „zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lukas 19,10).

Jesus ist also der Suchdienst Gottes. – Die Älteren unter Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, werden sich noch daran erinnern, dass nach dem Krieg jahrelang die täglichen Suchmeldungen des Deutschen Roten Kreuzes im Radio ausgestrahlt wurden. In den Wirren des Krieges und auf der Flucht hatten sich Hunderttausende von Familienangehörigen aus den Augen verloren. Durch die regelmäßigen Suchmeldungen im Radio fanden Familienmitglieder wieder zusammen und konnten sich oft auch nach Jahren der Trennung wieder glücklich in die Arme schließen.

So ist Jesus vor 2000 Jahren als Suchdienst des Himmlischen Roten Kreuzes auf unsere Welt gekommen. Sein Auftrag bestand einzig und allein darin, Gott, den himmlischen Vater aller Menschen, wieder mit seinen Söhnen und Töchtern zusammen zu führen, die ihm im Laufe der Zeit verloren gegangen waren Natürlich: Man kann sich in seinem Leben auch ohne Gott gut einrichten und wohl dabei fühlen. So haben sich nach dem Krieg viele Menschen schließlich damit auch abgefunden, dass der Ehemann und Vater im Krieg verschollen blieb, oder die eigenen Kinder auf der Flucht für immer verloren gegangen waren. Das Leben ging eben weiter. Und doch blieb da eine unübersehbare Lücke, die nicht einfach geschlossen oder aus dem Bewusstsein gelöscht werden konnte.

Mich bewegt es immer wieder, wenn Erwachsene, die als kleine Kinder adoptiert wurden oder in einer Pflegefamilie aufwuchsen, nach vielen Jahren plötzlich den Drang verspüren, die eigenen leiblichen Eltern ausfindig zu machen. Man könnte denken: Was verbindet diese Kinder überhaupt noch mit ihren leiblichen Eltern? Schließlich haben die sich nie um sie gekümmert. Trotzdem haben diese Kinder das starke Verlangen, ihre Wurzeln aufzuspüren und endlich ihren Frieden mit denen zu machen, die ihnen einst das Leben schenkten und sie dann doch verließen oder weggaben.

Liebe Hörerinnen und Hörer! Die Weihnachtsgeschichte ist das eindrücklichste Beispiel dafür, dass Gott das Schicksal seiner verloren gegangenen Welt und seiner Menschen nicht kalt gelassen hat. Mit der Geburt Jesu vor 2000 Jahren hat er eine beispiellose Suchaktion gestartet. Diesmal allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Denn nun sucht der himmlische Vater nach seinen ihm verloren gegangenen und fremd gewordenen Kindern. Mag sein, dass die längst ihr Interesse an Gott als ihrem Vater verloren haben und für ihr Leben nichts davon erwarten, sich von ihm finden zu lassen. Nur gilt das eben nicht für Gott. Seine Lust am Menschen ist ungebrochen. Darum sucht er unablässig nach Wegen und Möglichkeiten, mit seinen Menschenkindern zu einer vertrauensvollen Vater-Kind-Beziehung zu kommen.

Wir sollten daher Jesus als die Mensch gewordene Suchaktion Gottes nicht zu gering einschätzen und zu wenig davon erwarten. Wenn durch Jesus unsere Beziehung zu Gott wieder heil wird, dann erschließt sich uns dadurch zugleich das Leben in seiner ganzen Fülle und Schönheit. In wenigen Tagen feiern wir wieder Weihnachten. Wenn Sie dann Heiligabend am Schluss des Gottesdienstes in der Gemeinde das „O, du fröhliche…“ mit anstimmen, dann wünsche ich Ihnen, dass Sie es auch für sich singen können: „Christ, der Retter ist da“.

Audiobeitrag Ein einzigartiger Name


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen