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Ein unzeitgemäßer Lobgesang
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, trotz niedriger Geburtenrate sehnen sich in unserm Land immer mehr Paare nach einem Kind.
Oft scheuen sie weder Kosten noch notwendige medizinische Untersuchungen und Behandlungen, damit ihr Kinderwunsch endlich in Erfüllung geht. Nicht immer führen diese Bemühungen zu dem erhofften Erfolg. Paare müssen sich dann mit der schmerzlichen Tatsache abfinden, dass ihnen für immer der eigene leibliche Nachwuchs versagt bleibt.
Die Bibel erzählt von ähnlichen Lebensschicksalen. Von Abraham und Sarah etwa und von Zacharias und Elisabeth. Gemeinsam ist ihnen, dass sie über ihrer Kinderlosigkeit alt geworden sind und schon aus biologischen Gründen eine Schwangerschaft nicht mehr möglich ist. Doch dann werden diese Frauen doch noch ganz unerwartet schwanger. Dabei wird keineswegs verschwiegen, dass die Betroffenen selbst das Wunder der späten Elternschaft kaum glauben können. So begegnet Zacharias der Ankündigung des Engels, seine Frau Elisabeth werde einen Sohn gebären, mit dem verständlichen Einwand: Wie soll das möglich sein, wo ich doch schon so alt bin und meine Frau ihre Wechseljahre längst hinter sich hat? Ja, sie hatten wohl jahrelang dafür gebetet und darauf gehofft, Gott möchte ihren sehnlichen Wunsch nach einem Kind erfüllen. Aber nun war die biologische Uhr abgelaufen, und da gab es realistischerweise nichts mehr zu hoffen.
Aber wie so oft in der Bibel sind unsere menschlichen Verlegenheiten immer wieder Gottes Gelegenheiten: Auf wunderbare Weise wird Elisabeth doch noch schwanger und bringt ihren Sohn Johannes zur Welt. Nach seiner Geburt stimmt sein Vater, der während der Schwangerschaft seiner Frau die Sprache verloren hatte, ein Loblied an: das sogenannte Benediktus. Es beginnt mit den Worten: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels. Denn er hat besucht und erlöst sein Volk. - Noch ist der künftige Messias Israels, Jesus, nicht geboren, da jubiliert der gerade zum Vater gewordene Zacharias bereits, dass Gott sein Volk erlöst hat. Aber wo, bitte, ist davon in Israel auch nur eine Spur zu sehen? Die Herrschaft der Römer liegt wie eine drückende Last auf dem Volk. Wie kann man in einer solchen Situation Gott für die geschehene Erlösung loben?
Was Zacharias damals in seinem Lobgesang ausspricht, ist tatsächlich typisch für viele Lobgesänge im alten Israel. Die sind nämlich des Öfteren pure Zukunftsmusik. Während die Gegenwart trist und trostlos ist, wird Gott bereits gelobt für sein wunderbares Handeln, das noch in der Zukunft liegt. Der Lobende weiß, Gott lässt ihn trotz aktueller Not und Bedrängnis nicht im Stich, sondern kommt ihm früher oder später zur Hilfe. Und eben deshalb will er ihn jetzt schon einmal kräftig dafür loben sozusagen als Vorschuss auf seine erwartete Hilfe.
Liebe Hörerinnen und Hörer! Es mag Ihnen an diesem Morgen aufgrund von schwerwiegenden Belastungen oder Enttäuschungen in Ihrem Leben eher zum Klagen und Heulen zumute sein als zum zuversichtlichen Lob Gottes. Sie dürfen aber wissen, dass Sie mit Ihrem Schicksal bei Gott gut aufgehoben sind, und er es mit Ihnen am Ende auch gut macht. Ihn jetzt schon im Vorgriff darauf zu loben, kann wie eine Arznei gegen den eigenen Seelenkummer wirken.
Dass es für Gott weder ausweglose Situationen noch hoffnungslose Fälle gibt, durften eben auch Zacharias und Elisabeth erfahren, deren sehnlicher Kinderwunsch schließlich doch noch in Erfüllung ging. Ja, Gott kann, - und er hat immer noch mehr Möglichkeiten, als wir zu hoffen wagen. In dieser Zuversicht wünsche ich Ihnen einen gesegneten Tag.
Ein unzeitgemäßer Lobgesang
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