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Ein unauffälliger Mann
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, zweifellos spielt Maria, die Mutter Jesu, in der Weihnachtsgeschichte eine herausragende Rolle.
Gott hat sie dazu ausersehen, Jesus, seinen Sohn, den Retter, zur Welt zu bringen. Dagegen nimmt ihr Verlobter Josef in dieser Geschichte eher eine Statistenrolle ein. So wird uns in der ganzen Bibel kein einziger Satz aus seinem Munde überliefert. Ja, nach dem Bericht des Matthäusevangeliums wird Josef bei dem Besuch der drei Weisen im Stall von Bethlehem nicht einmal namentlich genannt. Es heißt da nur lapidar: Sie gingen in das Haus und fanden das Baby mit Maria, seiner Mutter und fielen nieder und beteten es an
(Matthäus 2,11) Josef beim Besuch der drei Weisen nicht einmal der Erwähnung wert?!
Doch wir täten Josef unrecht, wenn wir seine Rolle in der Weihnachtsgeschichte allzu gering einschätzen. Er wird ja durch einen nächtlichen Traum von einem Engel auf die außergewöhnlichen Umstände der Schwangerschaft seiner Verlobten aufmerksam gemacht. Daraufhin gibt er seinen Plan auf, seine Verlobte heimlich zu verlassen. Er erspart ihr auf diese Weise die Schande, ihr Kind als alleinstehende, verlassene Frau zur Welt bringen zu müssen. Auch später wird dann noch gleich dreimal erwähnt, dass ein Engel Gottes Josef im Traum genaue Anweisungen gibt, wie er sich verhalten soll. Dabei geht es um die Flucht der jungen Familie nach Ägypten, um den Mordplänen des Königs Herodes zu entkommen. Und es geht um die Rückkehr in die galiläische Heimat, nachdem einige Zeit später die Luft für die Flüchtlinge wieder rein ist. Josef erweist sich jedes Mal als frommer und rechtschaffener Mann, der den göttlichen Winken widerspruchslos folgt und tut, was ihm aufgetragen ist.
Dennoch wünschte ich mir an der Seite Marias einen Mann, der entschlossener handelt und seine Rolle als Partner und Vater beherzter ausfüllt als die biblischen Texte dies bei Josef erkennen lassen. Vielleicht ist Josef darin aber typisch für viele Ehemänner und Väter heute. Die nehmen sich allzu häufig in der Familie und besonders bei der Erziehung ihrer Kinder zurück und überlassen ihren Frauen die Last der Verantwortung. Das bestätigt eine kleine andere Szene aus der Familiengeschichte von Josef, Maria und Jesus. Als der Teenager Jesus seinen Eltern im Gewühl des Passahfestes in Jerusalem verloren geht, ist es am Ende seine Mutter Maria, die den wiedergefundenen Zwölfjährigen mit den Worten zur Rede stellt: Junge, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben uns solche Sorgen gemacht (Lukas 2,48). Von Josef lesen wir auch diesmal wieder kein einziges Wort als Vater scheint er nur schweigend daneben zu stehn.
Liebe Hörerinnen und Hörer, wir leben in einer Zeit, in der sich die Frauen unter uns zunehmend als das starke Geschlecht erweisen. Das wäre einfach nur erfreulich, wenn sich nicht gleichzeitig immer mehr Männer zurückzögen, sobald es z.B. in der Erziehung ihrer Kinder schwierig wird. Wo sind die Väter, wenn in der Schule zum Elternsprechtag eingeladen wird oder Erziehungsprobleme auftauchen? Sind es dann nicht wieder die Mütter, die die Hauptlast im Unternehmen Familie stemmen?
Unsern Familien täten zwar auch heute Ehemänner und Väter gut, die sich wie Josef von Gott leiten lassen. Darüber hinaus aber brauchen wir Ehemänner, die ihren Frauen echte und starke Partner sind. Und wir brauchen Väter, die ihren Kindern bei aller Liebe genug Widerstand bieten, an dem sie sich reiben können. Nur so können sie dann ihren eigenen Weg finden. Ehemänner und Väter müssen nicht perfekt sein. Damit wären sie sowieso hemmungslos überfordert. Aber man sollte ihnen abspüren, dass ihnen die Entwicklung ihrer Kinder am Herzen liegt. Und dass sie alles in ihren Kräften Stehende tun, damit ihre Kinder eine gute Zukunft haben. Dabei wünsche ich uns allen die Erfahrung, dass wir von Gottes Fürsorge umgeben bleiben und immer auf seine Hilfe zählen dürfen.
Ein unauffälliger Mann
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