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Der Bettler
Manchmal tue ich es und manchmal nicht. Ganz nach Laune. Dass ich jemanden etwas gebe, der bettelt. Diesmal hatte ich schon den Kopf geschüttelt und mich abgewandt.
Da rief er mich zurück. Er war älter, hatte nur noch wenig Zähne und eine blaue Pudelmütze. Kommen Sie mal her, rief er . Ich hab erst jetzt gesehen, dass Sie den Kleinen dabei haben. Ich hab was für ihn. Ich ging zu ihm. Er öffnete seinen Mantel. unter dem ich einen Hund vermutete. Doch ich irrte. Stattdessen zwei riesige Packungen Kekse. Die sind für den Kleinen, sagte er und zeigte auf meinen Sohn. Ich kann nichts Süßes mehr essen. Klar wer soviel trinkt, dachte ich. Aber das sind doch Cracker. Die sind doch salzig, entgegnete ich tapfer. Eigentlich war ich aber gerührt. Dass wir beschenkt werden einfach so, von jemandem, von dem wir es überhaupt nicht erwartet hätten. Nee, nee nehmen Sie mal. Die hat mir eben eine Frau geschenkt. Die hat die extra für mich in dem Laden dahinten geholt. Aber ich esse das nicht. Aber, ihre Kumpels, entgegne ich. Nee, nee nehmen Sie mal. Ich bedanke mich, nehme das Kilo Schokocroissants und Cracker entgegen und gehe. Die sind für Dich, sage ich meinem Sohn. Von dem Penner. Das ist kein Penner. Das ist ein Bettler, belehrt mich mein Sohn. Für ihn ist das so eine Art Beruf.
Und was machen wir jetzt mit der Tüte, frage ich ihn. Irgendwie war es mir ja peinlich. Dieses Geschenk. Guck, dahinten sitzt ein ganz junger Bettler, der hat bestimmt Hunger. Willst Du dem die Tüte bringen?
Nee, mach Du das, antwortet mein Sohn. Er ist wirklich jung, der Punk, mit dem Schäferhund. Vielleicht 14 und noch nicht lange auf der Straße. Ob er Interesse an Croissants und Crackern habe, frage ich ihn. Da fehle allerdings schon eine Tüte, die hatte sich bereits mein Sohn geschnappt. Ja, gerne, antwortete er.
"Mama, der hat seinem Hund was abgegeben, stellt mein Sohn fest, als er sich noch einmal umdreht. Jetzt treffe ich ihn manchmal wieder. Auf dem Weihnachtsmarkt. Den Mann mit der blauen Pudelmütze. Und ich bin jedes mal ein wenig beschämt. Er der Bettler hat mich noch einmal daran erinnert, was Weihnachten heißt. Wer beschenkt wird worden ist , beschenkt auch andere. Ohne Ansehen der Person wie es in der Bibel heißt. Der Bettler den Angestellten, der Schwarze den Weißen, der Arme den Reichen ... so wie Gott uns alle beschenkt hat ohne Ansehen der Person. Es muss nichts Großes sein, aber liebevoll, in liebevoller, zärtlicher Absicht.
Und am liebsten würde ich jetzt, dass wir das alle tun. Alle WDR 2 Hörer - 320.000 sind es im Moment dass wir alle Weihnachten jemandem etwas schenken, der überhaupt nicht damit gerechnet hat. 320.000 Menschen, die sich wundern und daran erinnert werden, was Weihnachten eigentlich bedeutet. Das wäre doch schon mal ein Anfang. Dank dem Mann mit der Pudelmütze dem Bettler aus Wuppertal. .
Der Bettler
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