Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.12.09, Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Die heilige Familie

Mitten im Advent - die Tage werden kürzer – die Nächte länger – die Lichter heller. Auf dem Weg zu Weihnachten – unterwegs zu Gott.

Doch in mir drinnen – wie sieht es da aus – mit dem Licht, dem Symbol für Gottes Nähe und Wärme? Wird es in mir auch immer heller, mit jedem Tag, mit dem unwiederbringlich Weihnachten näher rückt?

Paula hat im Advent immer Kopfschmerzen, wenn sie an Weihnachten denkt. Sie hat regelrecht Angst vor Weihnachten. Weil: Dann kommen sie wieder alle zusammen. Die Eltern und die Geschwister mit ihren Familien. Und dann knallt es eigentlich regelmäßig. Von Liebe und Geborgenheit, wie Gott sie uns verspricht, ist da wenig zu spüren.

Marlene geht es nicht viel anders. Sie ist allein erziehend. Und doch: Zu Weihnachten soll es anders sein als an den übrigen Tagen im Jahr. Da soll alles glatt laufen. Die Absprachen mit dem Ex und dem Neuen, den alten Schwiegereltern, den eigenen Eltern und den Eltern des Neuen.

Da soll endlich mal Frieden sein – mitten unter ihnen. Die Familientherapeuten raten: Mit dem Frieden klappt das nur, wenn es ganz klare Absprachen gibt und einen klaren Fahrplan. Wer, wann, wo und mit wem. Und vor allem wie lange und nicht alle auf einmal. Unterwegs zu Weihnachten – das heißt eben auch Angst, Unsicherheit und eine gute Planung.

Emilia hat letztes Jahr einen Trick angewandt. Sie hat Weihnachten im Advent gefeiert – mit denen, die sie stressen - mit ihrer Ursprungsfamilie. Und das war ganz entspannt. Klar, es war ja auch nicht Weihnachten. Das Fest der Liebe aber hat sie mit denen verbracht, die sie lieben und schätzen. Mit ihrem Mann, den Kindern und  ihren Wahlverwandten. Dabei  ist ihre beste Freundin Buddhistin. Doch das mit dem Weihnachtsbaum, den echten Kerzen, dem Festessen und der besinnlichen Stimmung fand sie super. So wird sie das dieses Jahr wieder machen.

Unterwegs zu Weihnachten, das heißt eben auch liebevoll mit sich selber umgehen. Für sich selbst zu sorgen, sich Zeit zu nehmen und zu spüren: Wo erlebe ich Gottes Nähe. Und das ist nicht unbedingt dort, wo ich aufgewachsen bin oder was sich Familie nennt. Ich persönlich bin im Advent oft im Kuhstall - auf einem Ökohof.. Dort bei den Kühen, Schafen und Schweinen ist ein riesiger Adventskranz – und eine sehr besinnliche Stimmung.  Dort plane ich mein Weihnachten – bei den Kühen im Stall komme ich zur Ruhe und zu mir selbst. Für mich gehört das dazu, wenn ich unterwegs bin zu Weihnachten. Ehrlich mit sich selbst zu sein, auch an ungewöhnlichen Orten, um anzukommen. Bei mir selbst und bei Gott. Damit ich Frieden finde. Nicht nur zu Weihnachten.

Audiobeitrag Die heilige Familie


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