Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.12.09, Gernot Hoersch

Die Geldkarte

Neulich wollte ich bei meiner Bank Geld abheben. Und hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich eigentlich nicht mehr viel auf dem Konto habe.

Aber ich brauchte das Geld. Ich wollte 20 Euro ziehen. Plötzlich zieht der Automat meine Karte ein und  sagt, ich sollte mich bitte drinnen am Schalter melden. Da habe ich sofort einen Schweißausbruch bekommen. So etwas hatte ich noch nie! Ich bin mit schlechten Gewissen in die Bank geschlichen. Und dachte: Mein Konto ist leer. Ich habe es überzogen. Dabei ist es gerade Hälfte des  Monats.

Dann ging ich zum Schalter. Die Dame sagt: „Guten Tag, Herr Hoersch, ich habe Sie schon erwartet.“ Da dachte ich, nun ist alles aus. Aber die Dame sagte mir dann: „Wir haben hier ein kleines Problem und den Verdacht,  dass irgendjemand ihre Daten elektronisch gelesen hat von der Geldkarte. Und wir haben die Karte vorsorglich eingezogen.“

Und ich sage:  „Mein Geld? Ist da irgendwas passiert?“ „Nein, ihr Geld ist noch da. Gar kein Problem. Nur die Karte kommt diese Woche neu. Wir haben Sie nur nicht am Telefon erreicht.“

Und in dem Moment kam ich mir richtig reich vor. Vor ein paar Sekunden dachte ich, ich sei pleite, aber jetzt hatte ich wieder was. Ich sagte mir, komm, da kann ich gleich 10 Euro mehr abheben.

Dann ging ich aus der Bank raus. Da fiel mein Blick auf diese Dose von Brot für die Welt. Da habe ich mir gedacht: Die Leute sind immer arm und im Gegensatz zu denen bin ich auch immer reich. Und da habe ich zum ersten Mal was in die Dose reingetan.

Sprecher: Gernot Hoersch

Audiobeitrag Die Geldkarte


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