Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.12.09, Claudio Gnypek

Gastfreundschaft ohne Murren

Im Spätsommer bin ich durch den Balkan gereist. Ich war in Kroatien, in Bosnien-Herzegowina und Serbien. Die Menschen sind unglaublich gastfreundlich und offen.

Als ich in Banja Luka, einer großen Stadt in Bosnien ankam, sprach mich ein Mann, anfang vierzig, an. Wo ich herkomme, wo ich hinfahre?

Normalerweise bin ich skeptisch, wenn mich Menschen so direkt ansprechen. Aber der Mann wirkte nicht aufdringlich, sondern einfach interessiert. Mit Milutin, so hieß er, ging ich dann erst mal einen Kaffee trinken. Wir unterhielten uns auf Englisch, er war genauso wenig sprachbegabt wie ich, aber irgendwie haben wir uns verständigt. Milutin lud mich zu sich nach Hause ein. Ich war ein bisschen misstrauisch. Warum werde ich von einem fremden Mann, der mich erst seit einer halben Stunde kennt, eingeladen? Ich vertraute einfach meinem guten Gefühl und folgte der Einladung. Milutin wohnte am Stadtrand, hatte gerade ein Haus neu gebaut und stellte mich seiner Frau und seinen zwei Kindern vor. Wir haben zusammen zu Mittag gegessen und uns über Deutschland und Bosnien unterhalten. Am Abend verabschiedete ich mich und wir tauschten Emailadressen aus.

So eine spontane Gastfreundschaft wie in Bosnien habe ich selten erlebt. In der Bibel wird dazu ermutigt, da steht: „Seid untereinander gastfreundlich, ohne zu murren.”

Ich weiß nicht, ob Milutin ein Christ, ein Muslim oder ein Atheist war. Das ist auch nicht wichtig. Ich war eine Fremde. Milutin war gastfreundlich. Ich fand es toll, wie er mir begegnet ist.

Sprecherin: Bettina Förster

Audiobeitrag Gastfreundschaft ohne Murren


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