Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.12.09, Pfarrerin Barbara Schwahn

Lernen statt Heiraten

Liebe Hörerinnen und Hörer, es ist noch nicht lange her, dass Frauen in Deutschland ihren Beruf aufgeben mussten, wenn sie heirateten.

Mädchen durften gar nicht erst eine Ausbildung machen, weil sie ja eh unter die Haube kamen und der Mann schließlich der Ernährer war. Und Männer brüsteten sich damit: Meine Frau muss nicht arbeiten.

Heute sind wir etwas weiter in Sachen Geschlechtergerechtigkeit. Und in Zeiten niedriger Löhne, drohender Arbeitslosigkeit, hoher Scheidungsraten und unsicherer Altersversorgung zeigt sich, wie gut es ist, dass auch Frauen etwas lernen und für sich selbst sorgen. Anderswo auf der Welt ist das noch nicht selbstverständlich. Zum Beispiel in Kamerun.

Vor Sonnenaufgang steht Clarisse Daiawe auf. Bald wird der Muezzin zum Gebet rufen. Die 22-jährige fegt Haus und Hof, dann weckt sie ihre jüngere Schwester. Gemeinsam verlassen die beiden das Gehöft und machen sich zu Fuß auf den Weg zum acht Kilometer entfernten Fischmarkt in Maroua. Dort kauft Clarisse Karpfen. Bevor sich ihre Schwester wieder auf den Heimweg begibt, erteilt Clarisse ihr die letzten Anweisungen: „Du musst den Fisch waschen, würzen und grillen, damit wir ihn am Abend verkaufen können.“ Am frühen Morgen sind die Temperaturen hier noch erträglich. Außerdem spenden große Neem-Bäume entlang der Hauptstrassen Schatten. Zahlreiche Mofa-Taxis sind unterwegs, um die Kundschaft auf den Markt, zur Arbeit oder zur Schule zu fahren. Doch Clarisse kann sich kein Taxi leisten. Sie geht zu Fuß weiter in den Stadtteil in der die Schule Avenir Femme liegt. Übersetzt „Zukunft für Frauen“, Dort lernt die junge Frau seit zwei Jahren das Schneiderinnenhandwerk.

Sieben engagierte Frauen haben vor 14 Jahren diese Schule gegründet. Sie wollten Mädchen helfen, selbst entscheiden zu können, wann sie heiraten und wann sie Kinder bekommen. Und sie wollten Männern helfen, traditionelle Rollenbilder zu hinterfragen. Die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ unterstützt das Projekt, weil Männer und Frauen gleichermaßen von den Projekten der Partner vor Ort profitieren sollen. Wer daran arbeitet, dass es in dieser Welt gerecht zugeht, dem gelten viele Verheißungen der Bibel. Zum Beispiel aus dem Mund Jesu:

Sprecher:  „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.“
Oder schon beim Propheten Jesaja:
Sprecher: „Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit wird ewige Stille und Sicherheit sein.“

Dass es in unserer Welt gerecht zugeht und Friede sich ausbreitet, dafür braucht es den Geist Gottes. Und an vielen Orten weltweit unsere Hände und unseren Geldbeutel. Nicht nur die Frauen in Kamerun brauchen Hilfe zur Selbsthilfe.

Audiobeitrag Lernen statt Heiraten


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