Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.12.09, Pfarrerin Barbara Schwahn

Keiner trinkt für sich allein

„Keiner isst für sich allein“. So lautet das Motto einer Kampagne der Hilfsorganisation „Brot für die Welt“. Genauso gilt: „Keiner trinkt für sich allein.“

Zum Beispiel die Tasse Kaffee, die wahrscheinlich Sie wie ich und die meisten Deutschen morgens nicht missen möchten. Von ihr leben Millionen von Kleinbauern und Plantagenarbeitern mit ihren Familien in Lateinamerika, Afrika und neuerdings auch Asien – oder auch nicht.

Bei Kaffeepreisen von 2 Euro 99 das Pfund in unseren Läden bleibt für die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Plantagen so gut wie nichts übrig. 99 von 100 Kaffeetassen sind gefüllt mit den Produkten der Handvoll Konzerne, die sich den Markt teilen und in der Regel kräftig dabei verdienen. Ist das mal nicht der Fall,  geben sie den Preisdruck nach unten weiter, zahlen nur noch Hungerlöhne und entlassen massenhaft Arbeiter.

Von 40 Millionen Tassen Kaffee, die schätzungsweise jeden Tag bei uns in Deutschland getrunken werden, stammen gerade mal 400.000, ein mageres Prozent nur, aus fairem Handel, also aus Handelsbeziehungen mit Produktionsgemeinschaften von Kleinbauern. Der größte Teil von deren Einnahmen wird direkt an die Bauern ausbezahlt. Vom Rest werden Gemeinschaftseinrichtungen in den Dörfern finanziert, also Schulen zum Beispiel.

Es mag viele Gründe geben dafür, dass so wenige bisher fair gehandelten Kaffee trinken: z.B: dass  es bequemer ist, im nächsten Laden einzukaufen, statt extra dahin zu fahren, wo es faire Produkte gibt. Oder dass die billigen Angebote der Marktführer verführerisch sind. Kaffee zu jederzeit und zu erschwinglichen Preisen genießen zu können, das ist ein Zeichen dafür, dass es uns gut geht.

Und das Image des Eine-Welt-Kaffees ist: Der ist zu stark geröstet und schwer verträglich. Das mag ja alles sein. Nur, wenn wir weiterhin so denken und bei unseren Gewohnheiten bleiben, dann helfen wir den Kaffeebauern nicht. Bei ihnen ändert sich nur etwas, wenn sich auch bei uns etwas ändert. Wenn bei uns immer mehr Menschen umdenken und bewusster einkaufen.  Da muß man vielleicht einen Laden mehr ansteuern. Aber das muss nicht mal mehr einen großen Umweg bedeuten. Einige Discounter haben mittlerweile schon fair gehandelten Kaffee im Angebot. Und man muß ein paar Euro mehr bezahlen. Was auch zu verschmerzen ist, wenn man überlegt, wofür man mehr bezahlt. Schließlich geht es bei den Kleinbauern ums Überleben. Und was den Geschmack und die Röstung angeht, da gibt es nicht mehr nur eine Sorte, sondern mittlerweile ein breites Sortiment, in dem für jeden etwas dabei sein dürfte. Jesus hat einmal eine Regel aufgestellt, man nennt sie die Goldene Regel:

Sprecher: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“

Ich möchte, dass man mit mir respektvoll umgeht und gerecht. Und das  soll auch für die Menschen gelten, die all das bereitstellen, was mir das Leben angenehm macht. Mit meiner Tasse Kaffee heute morgen kann ich dazu beitragen, dass Menschen ausgebeutet werden und hungern müssen oder dazu, dass sie entsprechend ihrer Arbeit gerecht entlohnt werden. Da möchte ich in Zukunft schon lieber fair den Tag beginnen, wenn das so angenehm geht wie mit meiner Tasse Kaffee!

Audiobeitrag Keiner trinkt für sich allein


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