Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.12.09, Pfarrerin Barbara Schwahn

Weltaidstag im Advent

Ihre Stelle in der Hähnchenbude hatte Maria Letsila schon längst verloren. Sie lebt in Südafrika und hat Aids.

Vor ein paar Jahren lag die allein erziehende Mutter von zwei Kindern sterbenskrank zuhause. Das HI-Virus hatte ihren Körper fest im Griff. Doch da geschah das Wunder: Sie bekam den lebensrettenden Aids-Cocktail verschrieben und es ging ihr schnell besser. Ihre Medikamente  kriegt sie seit zwei Jahren über ein Hilfsprogramm der Herrnhuter Brüdergemeinde in Matatiele, einem kleinen Städtchen nahe der Grenze zu Lesotho. Sie hat einen Ausbildungsplatz, der ihr und ihren beiden Kindern ein Auskommen bietet. Sie hat sich auch als Aidsberaterin ausbilden lassen, um ihre Erfahrungen an andere weiter zu geben. Bei Veranstaltungen spricht sie offen über ihre Krankheit und ermutigt Menschen sich testen zu lassen. Wenn Maria Letsila auf Menschen aufmerksam wird, die wie sie damals sterbenskrank zuhause liegen, sorgt sie dafür, dass  diese Kranken so schnell wie möglich behandelt werden. Das Geld dafür kommt von „Brot für die Welt“ und von einem Zusammenschluss der lutherischen Kirchen im südlichen Afrika. Der unterstützt Mitglieder einer Gemeinde in Johannesburg dafür, dass Aids-Waisen bei Pflegemüttern ein neues Zuhause finden. Es sind Kinder, die nirgendwo sonst unterkommen, wie die beiden achtjährigen Jungen Kealeboga und Simon. Über die Eltern der beiden ist nichts bekannt. Sie sind auf dem Entwicklungsstand eines 5-jährigen. Daher  besuchen sie jetzt eine Förderschule, eine Psychologin kümmert sich um sie und bei ihrer Pflegemutter erfahren sie Liebe und Geborgenheit.

Kurz nach sechs Uhr heißt es aufstehen für die beiden Jungs, um sieben Uhr werden sie abgeholt und mit dem Bus zur Schule gefahren. Um vierzehn Uhr kommen die Kinder nach Hause, dann muss das Mittagessen auf dem Tisch stehen. Simon und Kealeboga haben kein Sitzfleisch und würden am liebsten nur Roller oder Dreirad fahren. Aber das dürfen sie erst, wenn sie mit den Hausaufgaben fertig sind. Nach dem Abendessen wird gebadet und dann geht´s ins Bett. Sonntags ist Gottesdienst und in den Ferien machen die Mitglieder des Vereins Ausflüge mit ihnen ins Kino, zum Zirkus oder es gibt ein Picknick am See.

Jedes Jahr am 1. Dezember ist Weltaidstag. Viele werden heute wieder rote Schleifen tragen und damit zeigen: Ich bin solidarisch mit den  Millionen von Menschen, die weltweit mit Aids leben müssen und an Aids sterben. So kann jeder dazu beitragen, dass diese Menschen nicht vergessen werden und die Regierungen weiterhin Geld zur Verfügung stellen.

Sicherlich spenden wir im Advent gerne mal einen Euro mehr, von daher liegt der Weltaidstag jetzt in dieser Zeit goldrichtig. Aber auch noch aus einem anderen Grund. Wer gegen eine so schreckliche Seuche ankämpft, die vor allem in Afrika Generationen von Menschen auszulöschen droht, der braucht eine Hoffnung, die größer ist als  sie sich Menschen aus sich heraus geben können. Und gerade im Advent wagen es Menschen ja, auf mehr zu warten, als auf das, was es schon gibt. Sie hoffen für sich und andere auf mehr, darauf, dass Gott kommt und allem Leid ein Ende macht. Gerade deshalb können Sie sich der Realität dieser schrecklichen Krankheit und anderen furchtbaren Realitäten unserer Welt stellen.

Audiobeitrag Weltaidstag im Advent


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