Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

30.11.09, Pfarrerin Barbara Schwahn

Es ist genug für alle da

„Es ist genug für alle da“, unter diesem Motto ist gestern die Sammlung „Brot für die Welt“ eröffnet worden.

Jedes Jahr in den Wochen vor Ostern und in der Adventszeit ruft die Hilfsorganisation der evangelischen Landes- und Freikirchen zu Spenden auf. In den Andachten dieser Woche hören Sie mehr aus ihrer Arbeit und warum Menschen sie tun.

Vor über 50 Jahren wurde „Brot für die Welt“ gegründet aus Dankbarkeit. Von Christen in Deutschland. Die hatten in den Hungerjahren der Nachkriegszeit die Erfahrung gemacht, dass sie nur mit selbstloser Hilfe von außen die eigene Not überwinden konnten. Jetzt waren die Hungerjahre vorbei. Deutschland hatte sein Wirtschaftswunder und neuen Wohlstand. Eine Handvoll evangelischer Christen  wollte nun ihrerseits von ihrem neuen Reichtum etwas abgeben und solidarisch sein mit den Menschen in den Ländern des Südens. Und bis heute geht es darum, weltweit solidarisch zu sein und daran mitzuwirken, dass es gerecht zugeht in der Welt.

Es ist genug für alle da. Das klingt zunächst zynisch, angesichts der fast täglichen Katastrophenmeldungen aus den Krisengebieten. Aber Forscher sagen: Ihr habt recht. Von den Lebensmitteln, die wir zurzeit produzieren, könnten fast doppelt so viele Menschen satt werden, wie tatsächlich auf unserer Erde leben. Das Problem ist: Lebensmittel und alle anderen Güter auf der Erde sind ungerecht verteilt. Auch Chancen und Risiken, die das Leben mit sich bringt. Also müssen wir etwas tun. Aber wie schaffen wir das? Mit Lebensmittelkarten wie während und nach dem Krieg, als durch die blauen Scheine geregelt wurde, wer wie viel Mehl und Kartoffeln bekam? Wäre eine Lebensmittelkarte für jeden Menschen auf der Erde eine Lösung? Das wird nicht funktionieren.

Gerechtigkeit gibt es nur, wenn es uns umtreibt, dass wir mehr zu essen haben als Menschen in anderen Erdteilen.  Dass unsere Ernährung gesichert ist, die von vielen, vielen Menschen aber nicht. Wenn wir merken: Unsere „Geiz ist geil“ - Mentalität trägt dazu bei, dass es für Menschen in anderen Erdteilen nicht mehr zum Leben reicht. Dass wir Medikamente haben, die für sie nicht zugänglich sind, dass wir mit den Folgen von Klimawandel oder Finanzkrise besser und schneller fertig werden als andere. Dass wir von Naturkatastrophen Gott sei Dank bisher noch weitgehend verschont geblieben sind, und dass wir in der längsten Friedenszeit unserer Geschichte leben. Wenn wir dafür dankbar sind, wie die Deutschen nach dem Krieg. Und wenn wir bereit sind, diesen Reichtum zu teilen. In der biblischen Geschichte von der Speisung der 5000 fordert Jesus die Menschen auf nachzusehen, was sie haben und es untereinander aufzuteilen. Und das Essen ist hier extrem ungleich verteilt. Nur ein Junge hat etwas, fünf Brote und zwei Fische. Und das scheint auch noch zu wenig zu sein für alle. Aber er gibt es ab, es wird aufgeteilt und alle werden satt. Ein schönes Bild: Gott möchte, dass wir alle genug haben und er bekommt das hin. Allerdings nur dadurch, dass wir Menschen solidarisch sind untereinander und aufteilen, was wir an Gütern auf der Welt haben. Es ist genug für alle da, es muss nur bei allen ankommen.

Audiobeitrag Es ist genug für alle da


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