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Nun sich das Herz von allem löste (eg 532)
Morgen ist Totensonntag. Da wird es vielen schwer ums Herz sein. Sie denken zurück an Menschen, die in diesem Jahr gestorben sind. Die ganze Trauer ist wieder da.
Wie am Todestag und den Tagen und Wochen danach. Der Schmerz verjährt nicht. Er bleibt. Aber er kann sich verändern. Und die Trauernden auch, wenn ihr Herz getröstet wird.
Choral: 1. Nun sich das Herz von allem löste, was es an Glück und Gut umschließt, komm, Tröster, Heilger Geist, und tröste, der du aus Gottes Herzen fließt. 2. Nun sich das Herz in alles findet, was ihm an Schwerem auferlegt, komm, Heiland, der uns mild verbindet, die Wunden heilt, uns trägt und pflegt. 3. Nun sich das Herz zu dir erhoben und nur von dir gehalten weiß, bleib bei uns, Vater. Und zum Loben wird unser Klagen. Dir sei Preis!
Autorin: Nun sich das Herz so beginnen alle Strophen dieses Chorals. Jochen Klepper dichtete ihn als Trostlied am Totensonntag. Er setzt Trost für Traurige in Worte. Und bewegt unser Herz.
Choral: (1. Strophe): Nun sich das Herz von allem löste, was es an Glück und Gut umschließt, komm, Tröster, Heilger Geist, und tröste, der du aus Gottes Herzen fließt.
Sprecher: Nun sich das Herz von allem löste, was es an Glück und Gut umschließt, komm, Tröster, Heilger Geist, und tröste, der du aus Gottes Herzen fließt.
Autorin: Wir hatten noch viele Pläne. Sie hing doch so am Leben, begehrt das trauernde Herz auf. Es ist so schwer, gemeinsames Leben aufzugeben. Wer Abschied nehmen muss, weiß das und sehnt sich nach tröstenden Worten.
Sprecher: Herr, Herr, sei du mit mir um deines Namens willen; denn deine Gnade ist mein Trost. (Psalm 109,21)
Autorin: So ein Bibelvers ermutigt Jochen Klepper, bei Gott Trost zu suchen. Gott sieht die, die in Not sind, und trocknet ihre Tränen.. Komm, Tröster, heilger Geist und tröste
ruft das verwundete Herz. Gottes Geist soll Trost bringen. Seine Kraft kann verwandeln. Menschen, die sich verzweifelt an Vergangenes klammern, werden bereit zum Abschied und zum Neuanfang.
Choral: (1. Strophe):
komm, Tröster, Heilger Geist, und tröste, der du aus Gottes Herzen fließt.
Autorin: Jochen Klepper dichtet den Choral im August 1940. Seit acht Jahren ist er mit Johanna Stein, einer jüdischen Witwe, verheiratet. Als Ehemann einer Jüdin verliert Klepper seine Anstellung als Rundfunkredakteur. Die nationalsozialistischen Gesetze gegen die jüdische Bevölkerung schränken ihn als Schriftsteller ein und verbieten seiner Frau die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Johanna und Jochen Klepper fühlen sich wie Gefangene im eigenen Land. Johannas achtzehnjährige Tochter Renate lebt bei ihnen. Auch sie ist Jüdin. Am 28. August 1940 schreibt Klepper über sie, die er liebevoll Renerle nennt, in sein Tagebuch:
Sprecher: Heute bekam Renerle die Aufforderung, sich mit Arbeitsbuch und Kennkarte auf dem Arbeitsamt zu melden, am Montag. Das bedrückt uns sehr, denn mehrere Mädchen in Renerles Alter und Lage arbeiten schon zwangsweise hier in der Rüstungsindustrie.- Renerle sagt: Nur einmal das Gefühl haben dürfen, dass es nicht immer noch schwerer kommt. (Unter dem Schatten deiner Flügel, S. 916f)
Choral: (2. Strophe):Nun sich das Herz in alles findet, was ihm an Schwerem auferlegt, komm, Heiland, der uns mild verbindet, die Wunden heilt, uns trägt und pflegt.
Sprecher: Nun sich das Herz in alles findet, was ihm an Schwerem auferlegt, komm, Heiland, der uns mild verbindet, die Wunden heilt, uns trägt und pflegt.
Autorin: Der amtliche Brief macht Renate und ihre Eltern Angst. Die Behörden haben das jüdische Mädchen im Blick. Wird sie bald nach Polen transportiert? Diese Sorge macht den an sich schon belastenden Alltag noch schwerer: das junge Mädchen darf Schwimmbäder und Kinos nicht betreten. Nur zu Hause kann sie sich mit Gleichaltrigen treffen. Jochen Klepper selbst weiß, wie schwer es ist, auf Lebensglück zu verzichten:
Sprecher: Welche Fülle von Plänen (
) war einmal in mir; und nun stoße ich alles ab, sofern es nicht erlischt und von selbst entschwindet. (Unter dem Schatten, S. 910)
Choral: (2. Strophe):
komm, Heiland, der uns mild verbindet, die Wunden heilt, uns trägt und pflegt.
Autorin: Wer den Tod geliebter Menschen betrauert, wer sich verabschieden muss von Plänen, die nicht in Erfüllung gingen, wer sich trennen muss von Träumen, die sich als Illusion erwiesen, kennt die körperlichen Schmerzen, die solche Trennung hervorrufen kann. Wie gut, wenn ich dann nach Hilfe rufen kann. Wie gut, wenn jemand kommt, mich nach meinen Schmerzen fragt, auf mich achtet und mich eine Zeitlang trägt.
Sprecher: Gott spricht: Ich bin der Herr, dein Arzt. (2. Mose 15,26)
Autorin: Dieses Bibelwort hat Jochen Klepper einen Monat, bevor er das Lied dichtete, in sein Tagebuch geschrieben. Jesus, Gottes Sohn ist Kleppers Arzt. Ihm kann kein nationalsozialistisches Gesetz verbieten, Kranke und Trauernde zu heilen.
Choral: (2. Strophe): komm, Heiland, der uns mild verbindet, die Wunden heilt, uns trägt und pflegt.
Autorin: Jochen Klepper ist dem Heiland begegnet: In biblischen Worten, in Gottesdiensten, in hilfreicher Zuwendung von Freunden, Nachbarn und Kollegen und vor allem in der Liebe seiner Frau und seiner Tochter. Aus Liebe zu ihnen verzichtete er auf Ruhm und Anerkennung und auf materielle Sicherheit.
Choral: (3. Strophe): Nun sich das Herz zu dir erhoben und nur von dir gehalten weiß, bleib bei uns, Vater. Und zum Loben wird unser Klagen. Dir sei Preis!
Sprecher: Nun sich das Herz zu dir erhoben und nur von dir gehalten weiß, bleib bei uns, Vater. Und zum Loben wird unser Klagen. Dir sei Preis!
Autorin: Dem Liedtext wurde die Melodie des Chorals: O, dass doch bald dein Feuer brennte unterlegt. Jesus ist darin die Lebensquelle. Er führt er alle Völker zum Haus seines Vaters. Dort singen sie zusammen Gottes Lob. Hatte Klepper dieses Lied im Ohr, als er sein Trostlied verfasste? Melodie und Verse passen so gut zusammen. Sie erreichen gleichzeitig ihren Höhepunkt. Im Bittruf Komm!, gerichtet an den Tröster und den Heiland in den ersten beiden Strophen. Und in der dritten Strophe setzt auf dem höchsten Ton die Bitte ein:
Choral: (3. Strophe):
bleib bei uns, Vater. Und zum Loben wird unser Klagen. Dir sei Preis!
Autorin: Nun sich das Herz zum dritten und letzten Mal. Mit Gottes Hilfe überwinden die Glaubenden das Leid. So groß die Not, so dunkel Tod und Trauer sind, Gott tröstet und heilt. Dessen ist sich Klepper sicher.
Sprecher: Du birgst mich in der Finsternis. Dein Wort bleibt noch im Tod gewiss.
Autorin: So dichtet Jochen Klepper in einem Abendlied. Gott trägt uns und hält uns am Abend eines jeden Tages, am Abend eines jeden Lebens und am Abend dieser Welt. Wenn Traurigkeit uns niederdrückt, können wir nicht tiefer fallen als in Gottes schützende Hand. Der Glaube daran ist Licht in der Dunkelheit und wandelt unsere Klage in Lob.
Choral: (3. Strophe) Nun sich das Herz zu dir erhoben und nur von dir gehalten weiß, bleib bei uns, Vater. Und zum Loben wird unser Klagen. Dir sei Preis!
Musikinformation: Es sang das Solistenensemble unter der Leitung von Gerhard Schnitter.
Nun sich das Herz von allem löste (eg 532)
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