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Leben umkehren
Im Religionsunterricht ist das Thema Verantwortung dran. Die Jugendlichen besprechen ein Beispiel: Ein Schüler traut sich nicht mehr in die Schule, weil er gemobbt wird.
Wer trägt dafür die Verantwortung? Die in der Klasse, die ihm aufgelauert und ihn gequält haben? Die Lehrer und Lehrerinnen, die nichts gemerkt haben? Die Mädchen und Jungen, die weggeguckt haben? Die Eltern, die ihr Kind nicht angesprochen haben, als es immer stiller wurde? Oder der Gemobbte selbst, weil er geschwiegen hat? Auf einmal geht es im Gespräch nicht mehr um Verantwortung. Längst ist die Schuldfrage im Blick. Und zwar die Schuld der anderen: Die Opfer sind doch irgendwie selbst schuld, haben andere angemacht, sich blöd eingemischt oder lassen einen einfach nicht in Ruhe. Das kann einem wirklich auf die Nerven gehen. Manchmal ist es das Beste, zuzuhauen, sonst hören die gar nicht auf mit so einem Verhalten.
Solche Worte schließen Menschen aus einer Gruppe aus. Sollen doch andere ihnen helfen oder versuchen, sie zu verstehen. Spreche ich solche Worte, dann zeige ich einerseits, dass ich mich für unschuldig halte und andererseits
.dass ich Angst habe. Angst, auch irgendwann mal gemobbt zu werden. Schon wenn ich dem Gemobbten zur Seite stehen würde, käme mir das Problem viel zu nahe. Auf einmal könnten sich die Attacken der andren gegen mich richten. Das will ich nicht! Ich will keine Außenseiterin sein. Ich will nicht von anderen verachtet und rausgeschmissen werden.
Soviel Angst. Auch berechtigte Angst.. Menschen brauchen Mut, um einem anderen beizustehen, der an den Rand gedrängt wird. Wie kann ich diesen Mut bekommen?
Glaub doch an Gott, sagt eine Schülerin im Religionsunterricht, nicht weil sie das tut, sondern weil das im Religionsunterricht erwartet wird, meint sie. Trotzdem, hat sie recht. Gott kann uns in solchen angstvollen Momenten Mut machen. Dietrich Bonhoeffer sagte das so:
Sprecher: Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandkraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst (
) überwunden sein.
Gott hilft uns in unserer Angst, weil er diese Angst selber kennt. Das Neue Testament erzählt davon in den Geschichten von Jesus von Nazareth: In ihm kehrt Gott sein Leben um. Der unsichtbare und nicht anfassbare Gott nimmt Abschied vom Abstand zwischen Himmel und Erde und kommt den Menschen ganz nah. Gott ist sich nicht zu schade, in Jesus Christus das Leben eines Menschen zu führen. Und zwar das Leben eines Außenseiters. Er wurde im Stall geboren; dreckige, mittellose Hirten waren die ersten, die in besuchten; er aß mit politisch Verdächtigen und gesellschaftlich Verachteten. Wegen seiner beherzten Handlungen und Worte wurde er von den Mächtigen verachtet, verhaftet, verurteilt und ermordet.
Gott hatte den Mut, Mensch zu werden. Am Kreuz sehen wir ihn in Jesus kränkbar, schwach, verletzlich, verwundet und am Ende gott-verlassen, tot. Gott hat das ausgehalten.
Die Ostergeschichten sagen: Jesus Christus lebt. Er zeigt uns, für wen Gott da ist für die, die wir oft rausekeln wollen, und für uns, wenn wir Mut brauchen, um Verantwortung zu übernehmen.
Leben umkehren
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