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Umkehren und danken
Finden Sie nicht auch, dass wir viel zu wenig danken im Leben? Das hat mich neulich eine Frau gefragt. Wir klagen und bitten. Aber wo bleibt der Dank?
Sie hat ja Recht. Häufig klagen wir über das, was uns im Leben misslingt. Wir bitten um Entschuldigung, wenn wir selbst daran schuld sind. Wir bitten für die, denen es unserer Meinung nach schlecht geht und die Hilfe brauchen. Und wir bitten für uns selbst: dass uns das Leben gelingt, dass wir wieder gesund werden, dass Freundschaften gut laufen und das Familienleben sich wieder einrenkt. Das eigene Leben und das Treiben der Welt versorgt uns dafür mit Stoff ohne Ende!
Das verbindet mich mit vielen Menschen, dass ich das Danken auch oft vergesse. Auch mit biblischen Zeitgenossen Jesu. Im Lukas-Evangelium wird eine Geschichte erzählt, die mich tröstet und ermutigt: Da gibt es 10 schwerkranke Männer. Sie haben Lepra, damals eine unheilbare Krankheit. Die Haut der Menschen war voller Geschwüre, die Körperglieder faulten zum Teil ab. Niemand wollte in der Nähe der Kranken sein. Denn Lepra ist hochansteckend und führte damals unweigerlich zum Tod. Um andere auf diese
Ansteckungsgefahr aufmerksam zu machen, trugen die Kranken Rasseln bei sich. Sobald sie Menschen sahen, mussten sie Geräusche damit machen und auf sich hinweisen. Zudem wurden sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und mussten abseits von Dörfern und Städten leben.
Aber die Botschaft, dass Jesus von Nazareth Menschen heilt, ist auch bis zu ihnen vorgedrungen. Das macht ihnen Hoffnung. Bisher haben sie ohne Zuversicht gelebt. Doch jetzt brechen sie auf und eilen dahin, wo Jesus vorbeikommen soll. Sie warten. Da kommt Jesus. Sie sehen ihn und rufen: Erbarm dich unser, lieber Meister. Jesus sieht sie und schickt sie zu den Priestern des Dorfes. Mehr macht er nicht. Die Aufgabe der Priester damals war unter anderem, über Krankheit oder Gesundheit zu urteilen. Jesu Worte müssen überzeugend geklungen haben. Denn alle zehn vertrauen ihm und tun, was er gesagt hat. Bei den Priestern angekommen, hören sie: Ihr seid gesund. Auf dem Weg zu den Priestern sind sie also von ihrer schweren Krankheit geheilt worden.
Gott sei Dank, denken die Zehn jetzt vielleicht alle. Aber nur einer von ihnen tut, was er denkt. Er kehrt um und geht zu Jesus zurück. Dort fällt er vor ihm auf dem Boden nieder, lobt Gott und bedankt sich bei Jesus. Jesus fragt: Wo sind die neun anderen?
Die haben - wie auch ich oft - das Danken vergessen. Nur schnell nach Hause. Zur Frau, zu den Kindern. Endlich wieder arbeiten und spüren, dass ich lebe. Endlich wieder für die Meinen Verantwortung übernehmen. Am liebsten vergessen, was vorher war. Sind es diese Gedanken, die die anderen weiter getrieben haben? Hat die Sehnsucht nach Endlich-wieder- aus eigener- Kraft- Leben, sie daran gehindert, Gott zu danken?
Einer kehrt um und dankt. Er hat gemerkt: Ich lebe nicht aus eigener Kraft. Gott gibt mir das, was ich zum Leben brauche. Weil er Gott loben und Jesus danken will, legt er eine Pause ein, bevor er sein Leben wieder in die Hand nimmt. Ich glaube, es ist eine gute Idee, ab und zu Pausen zu machen. Pausen, in denen ich Gott loben und danken kann.
Umkehren und danken
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