Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.11.09, Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer

Buß- und Bettag

Es kann nicht so weitergehen wie bisher, eine echte Umkehr ist dringend notwendig. So endet ein Leserbrief in der westfälischen Kirchenzeitung „Unsere Kirche“.

Der Verfasser freut sich darüber, dass die evangelische und katholische Kirche sich kritisch zur Wirtschaftslage äußern und die Verantwortlichen aufrufen umzukehren.

Kirche nimmt Stellung. Sie erinnert alle, die in der Welt handeln und Handel treiben, an Gottes Wort. Sie hinterfragt unsere alltags so selbstverständlich gelebten Prinzipien von Wachstum und Gewinnanhäufung, von Profit und Belohnung. Kirche zeigt auf, wer unter diesem Handeln leidet.

Im Kirchenjahr ist ein Tag für diese Fragestellung freigehalten: der Buß-und Bettag. Eingerahmt wird er vom Volkstrauertag und vom Ewigkeitssonntag. Zwischen der Erinnerung an den Tod, der von Menschen ausgeht, und der Hoffnung auf das Leben, das Gott uns schenkt, steht der Buß-und Bettag. Im Namen Gottes fragt er: Was behindert Leben? Wo sind wir daran beteiligt? Was fördert Leben? Was können wir dafür tun? Diese Fragen beziehen sich auf unsere persönliche Lebensführung und auch auf den gesellschaftlichen Umgang mit Geld, mit Gewinn und Verlust.

Die Gewinne der Reichen, seien es einzelne Menschen, seien es Konzerne, entziehen den Ärmeren die Lebensgrundlage: Ich denke an Hypotheken, die sich in Luft aufgelöst haben, damit faule Kredite bedient werden konnten; an Hungerlöhne, die die Menschen in anderen Erdteilen gezahlt bekommen, damit in Europa Kaffe und Rosen bezahlbar bleiben und die Zwischenhändler Profit machen. Einen weltumspannenden Buß-und Bettag sollte es geben. Einen Tag, der alle Welt zum Umkehren führt.  Eine schöne Idee. Fast so schön wie das Gnadenjahr, das im Gesetz des alten Israel für die Landbevölkerung ausgerufen wurde. In jedem 50. Jahr sollten todbringende Verhältnisse wieder umgekehrt werden:  Verarmte Bauern, die ihren Besitz verkaufen mussten und selbst als Sklaven arbeiteten, sollten in diesem Jahr wieder entlassen werden und ihr Land zurückbekommen. Die Erde sollte ruhen und die Menschen von dem leben, was ohne ihr Zutun wächst.

Eine wunderbare Idee, die wohl nie völlig umgesetzt wurde, die aber als Vision immer noch bezaubert. Jesus griff sie auf bei seiner ersten Predigt in Nazareth: Mit mir beginnt das Gnadenjahr Gottes für alle Lebendigen: Gefangene kommen frei, Blinde sehen wieder und Unterdrückte bekommen ihre Rechte zurück.

Wie würde Jesus das heute formulieren? Mit mir kommt das Leben zurück: Arbeitslose werden Arbeit finden und können am Leben teilhaben; Verschuldete und Verarmte können zuversichtlich alt werden;  Kranke werden gepflegt und behandelt mit und ohne Krankenversicherung. Alte fühlen sich sicher und geachtet mitten unter uns, Frauen und Mädchen brauchen keine Angst vor Gewalt zu haben, Siegertypen erlauben sich Fehler zu machen und Kinder dürfen Kinder sein. Und die Natur kann wieder aufatmen…….

 

Audiobeitrag Buß- und Bettag


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