Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.11.09, Pastorin Beate Raguse

Buße tun

„Richtet euch nicht nach dieser Welt, sondern verändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen möget, was der Wille Gottes ist:

das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“

Ein Bibelwort morgens um fünf vor sechs, ein Ruf zur Umkehr noch auf leeren Magen. So beginnt eine Morgenandacht selten. Heute schon. Denn heute ist nicht irgendein Mittwochmorgen. Heute ist ein Mittwoch mitten im November und also Buss- und Bettag. Seit 1995 kein freier Tag mehr, aber immer noch ein Feiertag, ein kirchlicher. Ein Tag, der anders sein will. Und doch Alltag sein wird. Der für viele von uns anfangen wird wie immer. Gleich aufstehen, die Kinder wecken, frühstücken. Oder: gleich aus dem Auto steigen, um pünktlich beim Frühdienst zu sein, oder: noch 10 Minuten im warmen Bett bleiben.

Ein Tag wie jeder andere, der uns wie so manch anderer fordern wird. Der Verpflichtungen für uns bereithält, manchmal eine nach der anderen. Und genau deshalb besser als jeder freie Tag geeignet ist zur Buße. Buße wie Paulus sie beschreibt: Aufmerksam zu sein und zu prüfen, wonach wir uns richten. Und uns zu verändern.

Paulus geht da in die vollen: Stellt euch nicht dieser Welt gleich, fordert er. Wörtlich schrieb Paulus „ne schematsite“. Man muss kein griechisch können, um zu verstehen, was er meint. Wenn Paulus an die Welt denkt, denkt er an ein Schema, an immergleiche Abläufe.  Die Welt ist Wiederholung. An sich nichts Schlechtes, denn wir brauchen Wiederholung. Wir können nicht alles jeden Tag neu erfinden und regeln. Wiederholung gibt Sicherheit. Heikel wird es erst, wenn der Ablauf unseres Tages, der Wochen hart wird, verkrustet, unveränderlich.

Davor warnt Paulus: „Werdet um Gottes willen nicht schematisch. Sagt nicht immer dasselbe, denkt nicht immer in die gleiche Richtung. Seid nicht so vorhersehbar. Verändert euch. Werdet überraschend. Seid lebendig. Löst euch von den Anziehungskräften der Welt. Gebraucht eure Sinne, seid aktiv, prüft und entscheidet, wohin ihr euch wendet.“

Das deutsche Wort „Buße“ ist verwandt mit dem Wort „besser“. Buße ist der Weg dorthin, wo es besser ist oder besser werden soll. Wie dieses Bessere aussieht, das beschreiben die Bußrufe der Bibel. Wendet euch dem Guten und Wohlgefälligen und Vollkommenen zu. Die Bußrufe der Bibel sind immer Versprechungen des Lebens. Einfach ist das nicht. Das weiß jeder, der es einmal versucht hat.

Und deshalb ist es gut, dass der heutige Tag eben nicht nur Bußtag, sondern Buß- und Bettag heißt. “Nimm das weg von mir, Gott“, können wir beten, wenn unsere Gedanken  um das immergleiche Thema kreisen. „Hol’ mich aus dem Hamsterrad.“ Wenn wir wachliegen, weil uns das Grübeln über den nervigen Kollegen, die nicht erledigte Arbeit oder die Sorge um die demenzkranke Mutter den Schlaf rauben.   „Lass mich vertrauen, dass du für uns sorgst.“

Buße ist Bewegung. Weg von denen, die mich in ein Raster pressen wollen, hin zum Sein wie ich gewollt bin. Weg vom Verkrusteten hin zu schöpferischen Lösungen. Weg vom „Alles schon kennen und wissen“ hin zum immer wieder neuen Sehen, Hören, Schmecken, Fühlen. Buße ist Aktivität. Wir müssen sie tun.

Der Buß- und Bettag erinnert daran. Als Feiertag, der seinen Platz zu Recht mitten im Alltag hat.
 

Audiobeitrag Buße tun


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