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Nehmen
Bestellen Sie jetzt. Weihnachtsrabatt. Blinkende Anzeigen erinnern mich täglich daran; Weihnachten rückt näher. Ich sollte mich um Geschenke kümmern.
Irgendjemand hat dazu einen Test ins Netz gestellt, welcher Schenktyp sind Sie?
Wer 0 -10 Punkte erreicht, ist der Typ Gutschein-Schenker. Statt lange nach einem Geschenk zu suchen, schenkt er eine Gutschrift. Für die Dame klassischerweise eine für die Parfümerie, für den Herrn eine für den Baumarkt oder für Elektronikartikel. Den Gutschein-Schenker erkennt man an einem Satz wie: Such dir lieber selber was aus. Du weißt ja am besten, was dir gefällt. Der Vorteil: Es gibt keine böse Überraschung, keinen Umtausch. Der Nachteil: Es gibt auch keine freudige Überraschung. Wer 30 Punkte erreicht ist der kreative Typ, der Liebling der Frauenzeitschriften. Die alle Jahre wieder mit den 50 besten Ideen zum Selber-machen ihre Leserinnen locken. Die verbringen dann die Advents-Samstage damit, aus zähflüssig klebriger Masse Pralinen zu formen, Geschenkboxen zu falten, Früchte einzukochen oder ein überdimensionales Mensch-ärgere-dich-nicht auf ein Holzbrett zu malen. Typischer Satz: Wo haben Sie denn den Sternanis?
Ganz anders der Typ: Mein Geschenk muss kostspielig sein. Er oder sie erledigt alle Einkäufe an einem Nachmittag und muss höchstens in drei ausgewählte Geschäfte. Geht er doch mal ins Kaufhaus, erkennt man ihn an der Frage: Die Waage ist ja schön, aber haben Sie nicht auch eine die noch teurer ist? Aus der Reihe fällt der Wir schenken uns nichts oder leicht abgewandelt nur den Kindern. Er tritt ausschließlich in Gruppen auf. Wir machen uns keinen Stress, heißt seine Devise.
Meine Freundin Dagmar passt nicht ins Raster. Sie ist oder besser war ein Ich beschenke alle - Charakter. Anfang November machte sie eine Liste mit allen, die sie beschenken wollte. Sie kaufte ein, bastelte und freute sich. Von vielen auf ihrer Liste würde sie auch ein Geschenk bekommen, das wusste sie. Von anderen nichts. Das war ihr egal. Macht nichts, sagte sie Geben ist schließlich seliger als nehmen. Das stand doch auch in der Bibel. So war das bei Dagmar . Bis letztes Jahr. Da bekam sie genau an Heiligabend noch ein Paket von ihre Freundin aus München. Das ganze Jahr hatte sie nichts von ihr gehört. Und darum hatte Dagmar ihr noch nicht einmal eine Karte geschickt. Und jetzt stand da das Paket. Peinlich, dachte sie. Noch schlimmer wurde es abends, als sie es öffnete. Eine wunderschöne Christbaumkugel in einer roten Samtdose, ein Füller und der neueste Krimi ihrer Lieblingsautorin. Doch freuen konnte sie sich erst, als sie die Karte las. Liebe Dagmar, unverhoffter Geldsegen, da ist Weihnachten mal anders ausgefallen. Ich hoffe, du kannst es genießen. Denn das ist ja der Sinn des Festes. Das wir beschenkt werden.
Und deshalb Dagmars Tipp an mich und alle, die beim Geschenk-Typ-Test zwischen 0-99 Punkte erreichen würden. Plant, kauft ein, bastelt, kocht, schreibt Karten, stellt euch bei der Post an. Nur: wenn Weihnachten vor der Tür steht, dann: seht zu, dass ihr den Sprung auf die andere Seite schafft. Werdet Nehmende. Macht das, was an Weihnachten viel seliger ist als geben. Lasst euch beschenken. Nicht nur ganz unverhofft von einer Freundin, sondern von dem, der zum Fest geladen hat. Von Gott persönlich. Er verschenkt sich selbst. Er schenkt, weil wir es ihm wert sind. Er schenkt mit Liebe. Und dann heißt es; bereit sein und sich beschenken lassen.
Nehmen
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