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Wachet auf, ruft uns die Stimme (eg 147)
Autor: Sagen sie mir, dass ich nicht umsonst gelebt habe, dass das nicht alles gewesen ist, dass da noch was kommt! Sie glauben das doch, sie müssen das doch glauben!
Sie sind doch schließlich Pastor. Geben sie mir Hoffnung. Ich saß am Bett des Sterbenden. Was sollte ich sagen?
Instrumentalmusik
Autor: Können Sie sich noch erinnern, wie sie ihre Kinder zum Kindergottesdienst gebracht haben?, fragte ich. Er nickte. Wir haben zusammen dieses Lied gelernt: Ich weiß eine Stadt und die wird einmal sein. Wir stehen davor, und wir gehen hinein. In der Stadt dort weint nicht ein einziges Kind, weil wir alle bei unserm Vater sind, in der Stadt, in der Stadt: Ich weiß eine schöne Stadt. Welche Zuversicht haben wir in das Lied gelegt. Ich sage Ihnen: Diese Stadt gibt es wirklich. Er nickte, und dann sagte er: Ich sehe sie schon vor mir. Kurz darauf starb er.
Autor: Die gemeinsame Erinnerung an das Kinderlied über die Stadt, in der einmal kein einziges Kind mehr weint, hat mir geholfen an jenem Sterbebett. Seitdem singe ich die Lieder, die von der wunderbaren Stadt Gottes singen, noch lieber. Besonders das wohl bekannteste, das es gibt, das von Philipp Nicolai:
Choral: (3. Strophe): Gloria sei dir gesungen / mit Menschen- und mit Engelzungen, / mit Harfen und mit Zimbeln schön. / Von zwölf Perlen sind die Pforten / an deiner Stadt; wir sind Konsorten / der Engel hoch um deinen Thron. / Kein Aug hat je gespürt, / kein Ohr hat mehr gehört / solche Freude. Des sind wir froh, io, io! / Ewig: In dulci jubilo!
Sprecherin: Gloria sei dir gesungen mit Menschen- und mit Engelzungen, mit Harfen und mit Zimbeln schön. Von zwölf Perlen sind die Pforten an deiner Stadt; wir sind Konsorten der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug hat je gespürt, kein Ohr hat mehr gehört solche Freude. Des sind wir froh! Ewig: In dulci jubilo!
Autor: 1597 ist Philipp Nicolai Pfarrer in Unna. In der Stadt, die heute mitten in Westfalen liegt, wütet die Pest. Sie hält ihre grausame Ernte. An manchen Tagen hat Nicolai 20 und mehr Menschen aus seiner Gemeinde zu beerdigen. Tote wohin man nur schaut. Das bringt auch Philipp Nicolai an seine Grenzen. Was soll er den Eltern noch sagen, denen alle Kinder - eins nach dem anderen - in den Armen elend sterben? Wie kann er die unversorgten Kinder trösten, die über Nacht zu Waisen geworden sind? In dieser Stadt sind die Menschen am Ende. Ohne Kraft und Hoffnung. Wie er selbst.
Aber darf er als Mann Gottes am Ende sein? Jetzt kommt es doch darauf an, dass sein Glaube an die allgegenwärtige Liebe Gottes nicht zerbricht. Worauf hofft der Pfarrer von Unna angesichts der unzähligen Toten selbst noch? Philipp Nicolai braucht Bilder, mit denen er den verzweifelten Menschen seiner Gemeinde wieder Hoffnung schenken kann.
Instrumentalmusik
Autor: Er findet sie in der Bibel. In der heiligen Stadt Jerusalem.
Sprecherin: So spricht Gott der HERR: Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. (Jesaja 65,18f)
Autor: Vor seinem inneren Auge entsteht das Gegenbild zu der Stadt des schwarzen Todes, zu der Unna geworden ist. Nicolai hat die Vision der Stadt Gottes, die strahlend hell und voller Leben ist. Wo die Gottesdienste nicht mehr länger nur Trauerfeiern sind, sondern in denen wieder vor Freude gesungen wird. Seine Vision wurde zu einem Lied. Vielleicht sang er es ja erst noch für sich allein und sein Weckruf klang wohl noch sehr verhalten aber er war da.
Choral (1. Strophe): Wachet auf«, ruft uns die Stimme / der Wächter sehr hoch auf der Zinne, / »wach auf, du Stadt Jerusalem! ...
Sprecherin: Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen. Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. Denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. (Jesaja 52,7-9)
Autor: Beim Propheten Jesaja fand Philipp Nicolai das Bild der rufenden Wächter. Danach entstand sein Choral Wachet auf, ruft uns die Stimme. Die Wächter sehr hoch auf der Zinne wecken ihre in Trümmern liegende Stadt Jerusalem aus der Lethargie auf, weil Gott ihr zu Hilfe kommt.
In der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, nimmt das Bild der neuen Stadt Jerusalem einen breiten, strahlenden Raum ein. Durch 12 Tore aus leuchtenden Edelsteinen betritt man die Stadt, in der Gott und die Menschen ewig zusammen sein werden. Mag sein, dass jeder von uns sein eigenes Bild braucht, das ihn aufmerksam macht für Gottes Zukunft. Mir gefällt das Bild von der Stadt, die einmal sein wird. Die Stadt Jerusalem, die aufwachen soll und in der Menschen und Engel ihre Stimme zur Ehre Gottes vereinen. Sie weckt in mir eine Vorfreude, die mir Hoffnung schenkt.
Choral (1. Strophe): Wachet auf«, ruft uns die Stimme/ der Wächter sehr hoch auf der Zinne, / »wach auf, du Stadt Jerusalem! / Mitternacht heißt diese Stunde«; / sie rufen uns mit hellem Munde: / »Wo seid ihr klugen Jungfrauen? / Wohlauf, der Bräut'gam kommt, / steht auf, die Lampen nehmt! / Halleluja! / Macht euch bereit zu der Hochzeit, / ihr müsset ihm entgegengehn!
Autor: Es gibt so viele Gelegenheiten im Leben, auf die wir uns schon vorher freuen und uns dann auch ganz und gar einstimmen. Wir malen uns schon vorher aus, wie schön alles werden wird. Nicht von ungefähr sagt man: Vorfreude sei die schönste Freude. Philipp Nicolai malte seiner Gemeinde die Zukunft von Gottes Stadt vor Augen und stärkte die Menschen so für das Leben in der Todesgegenwart, denn die Zukunft gehört nicht dem Tod, sondern der Liebe Gottes. Jener sterbende Mann in meinem Alter konnte mit diesem Bild vor Augen in diese Stadt eintreten. Die Kraft Gottes steckt in solchen Bildern und schenkt Menschen selbst im Angesicht des Todes - die Vorfreude auf das ewige Leben und Mut zum Leben hier!
Choral: (Strophe 2): Zion hört die Wächter singen, / das Herz tut ihr vor Freude springen, / sie wachet und steht eilend auf. / Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, / von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, / ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. / Nun komm, du werte Kron, / Herr Jesu, Gottes Sohn! / Hosianna! / Wir folgen all zum Freudensaal / und halten mit das Abendmahl.
Sprecherin: Zion hört die Wächter singen, / das Herz tut ihr vor Freude springen, / sie wachet und steht eilend auf. / Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, / von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, / ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. / Nun komm, du werte Kron, / Herr Jesu, Gottes Sohn! / Hosianna! / Wir folgen all zum Freudensaal / und halten mit das Abendmahl.
Musikinformation: Es sang unter anderem das Forum Vokale Köln unter der Leitung von Georg Bours.
Wachet auf, ruft uns die Stimme (eg 147)
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