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Mit weniger mehr vom Leben
Autor: Klar, wir wissen das: Schokonikoläuse gibts im Süßigkeitenregal schon ab September, Weihnachtsartikel ab Oktober und kurz nach Ende Dezember
gehen schon die Schokoosterhasen an den Start. Keine Sorge: ich singe hier bei Kirche in WDR2 jetzt nicht wieder das Lied von den durch Konsum ausgehöhlten ehemals christlichen Festen. Das ist längst so - und wer Weihnachten eher mit Karstadt als mit Krippe und Stall verbinden möchte, soll das von mir aus tun.
Mich interessiert in dem ganzen unzeitgemäßen Trubel ein grundsätzliches Thema, das weit über Printen schon im Herbst und Christstollen am 06. November hinausgeht.
Mir gehts um Bescheidenheit. Darum, zu begreifen, dass nicht immer alles zu haben sein sollte.
Denn daran haben wir uns doch inzwischen gewöhnt: dass immer fast alles zur Verfügung steht: Sprich: zu kaufen ist. Zu haben ist. Ist Ihnen mal aufgefallen, wie viele Kinder, die in Kinderwagen durch unsere Städte gerollt werden, unterunterbrochen essen und trinken?Haben Sie mal bemerkt, dass das Feierabendbier längst nicht mehr nur daheim oder in der Kneipe getrunken wird, sondern sich mehr und mehr Zeitgenossen schon auf dem Heimweg in der Straßenbahn eine Promillespritze geben? Weit vor Feierabend!
Und die ganze Diskussion um die Ladenschlusszeiten. Als würden wir ohne Lebensqualität leben müssen, wenn nach 22 Uhr nicht die lebensnotwendigen drei Aprikosen gekauft werden können, weil die Ladenschlussgesetze noch nicht so weit sind!
So sind wir. Am liebsten alles und das sofort und immer. Und so sind wir ja auch gewollt, denn Konsumieren kurbelt die Wirtschaft an. Wissen wir ja alle und machen eifrig mit.
Was daran schlimm sein soll? Ich finde: Schlimm ist der schleichende Verlust der Fähigkeit, auf etwas warten zu können, das einfach noch nicht an der Zeit ist. Schlimm ist die Gier, die auf diese Weise in uns wächst. Schlimm ist, dass wir so eine aggressive Anspruchshaltung einüben, immer alles haben zu wollen.
Aber: Wer immer alles hat, dem ist bald alles gleichgültig. Nichts ist dann mehr besonders. Wer immer alles hat, der wird immer seltener zu überraschen sein. Wer nicht mehr warten kann, sondern nur noch mit sofortiger Bedürfnisbefriedigung zu leben lernt, wird das Seltene, das Besondere nicht mehr schätzen lernen. Wie warnt die Bibel: Der Sinn des Lebens besteht doch nicht darin, dass der Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. (Lukas 12,15)
Ich bin mir ganz sicher: wer im Oktober Printen kaufen kann, im November Marzipanbrote und ab Januar Ostereier, der gewinnt vielleicht Konsummöglichkeiten. Aber verliert Chancen auf Lebensfreude. Und macht sich auf Dauer abhängig von den Möglichkeiten der Konsumwelt. Paradox eigentlich: Wenn wir bescheidener wären, hätten wir oft mehr vom Leben. Mit weniger Konsummöglichkeiten mehr Lebensfreude. Und das gilt gewiss nicht nur für Nikoläuse, Christstollen und Osterhasen. Der Sinn des Lebens besteht doch nicht darin, dass der Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.
Mit weniger mehr vom Leben
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