Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.11.09, Pfarrer Jost Klausmeier-Saß

Morgenblues - es lohnt zu klagen

Musik: (John lee Hooker, “Blues before sunrise”) (CD Legends of Gospel & Blues, Vol.1, Track 5, LC 04641) John Lee Hooker.

Blues before sunrise , with tears in my eyes
Ich hab schon vor Sonnenaufgang den Blues.
I have the blues before sunrise, with tears standing in my eyes
Hab Tränen in meinen Augen stehen.
It is a horrible feeling, Lord nows, I do despise
Ein schreckliches Gefühl, Gott weiß es - ein Gefühl, das ich verabscheue.
Nobody knows the shake that I’m in.
Und kein Mensch kennt den Schlamassel,
Nobody knows the shake that I’m in.
in dem ich stecke

My wife had left me
Meine Frau hat mich verlassen.
Left me for another man
Für einen Anderen.
Seven long years, Lord knows, that I’m tryinn’
To get it along with my wife
Sieben Jahre lang habe ich versucht, Gott weiß es, es gemeinsam mit meiner Frau zu schaffen.
Blues before sunrise,
Und jetzt hab ich den Blues schon vor Tagesanbruch.
with tears standing in my eyes.
Und hab die Tränen in meinen Augen stehen.

Autor: Der Morgenblues. Man wacht auf und hat sofort wieder alle Sorgen von gestern im Kopf, die auch heute noch aktuell sind. Alle Nöte, die sich nicht einfach über Nacht erledigt haben. Das ganze Leid, mit dem man sich auch heute noch wird wieder rumschlagen müssen: Den einen hat die Frau verlassen. Der andere verlor seinen Arbeitsplatz. Der Dritte hat zwar noch Arbeit, ist aber so gestresst, dass er kaum noch hingehen mag. Der Vierte weiß, dass er heute wahrscheinlich wieder Ärger mit dem Lebensgefährten kriegen wird. Blues before sunrise. Noch bevor man aus dem Bett gestiegen ist, hat man schon das ganze Leidensprogramm im Kopf, das einen heute wieder erwartet. Ewige menschliche Erfahrung: Leid lässt sich nicht einfach abstellen. Leid muss manchmal einfach ausgehalten werden. Und das ist eben gerade nicht einfach.

Musik A horrible feeling, Lord nows, I do despise
Ein schreckliches Gefühl, Gott weiß es - ein Gefühl, das ich verabscheue.

Autor: Was also tun? John Lee Hooker und die Bibel empfehlen: Klagen. Wer den Blues hat, soll ihn singen. Und die weniger Musikalischen sollen ihr Leid zumindest aussprechen. Behalte dein Leid nicht für dich. Teile es mit Menschen. Teile es mit Gott. Klage, bete. „Lord knows“, singt John lee Hooker. Gott weiß, dass „Leben“ Leiden bedeuten kann.

Musik: Blues before sunrise, with tears standing in my eyes

Autor: Die Bibel ist voll von Leidensgeschichten: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Ein Leidenslied. Klagen: Eine wunderbare Möglichkeit, dem alltäglichen Leid standzuhalten: Manchmal die einzige. Klagen. Weinen. Beten. Und darauf hoffen: „Lord knows.“ Gott weiß schon, wie schlecht’s mir geht.  Klar: Das Klagen löst nicht die Probleme. Aber hilft, mit ihnen zu leben. „Lord knows.“ Klagen hilft, mit dem Morgenblues zu leben. Den ganzen Tag über.

Musik

Audiobeitrag Morgenblues - es lohnt zu klagen


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