Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.11.09, Pfarrer Martin Vogt

Leben?!

Hörbuch: Nick Hornby, „A long way down“ (der Hörverlag), München 2005 /2008 ISBN: 978-3-86717-230-1, keine LC-Nr.

O-Ton: „Ob ich erklären kann, warum ich von einem Hochhaus springen wollte? Selbstverständlich kann ich erklären, warum ich von einem Hochhaus springen wollte. Ich bin ja kein Vollidiot.“ (Sprecher: Martin; S. 9; CD 1, Track 2)

Autor: Martin ist davon überzeugt, dass er gute Gründe hatte, sich umzubringen. Seine Karriere als Fernsehmoderator ist im Eimer, er hat im Gefängnis gesessen und seine Familie ist zerbrochen. Sein Leben hat für ihn jeglichen Wert verloren. Deshalb erscheint der Entschluss, von einem Hochhaus zu springen, für ihn völlig logisch.

O-Ton: „Es gab einfach nicht genügend Contras, aber dafür jede Menge guter Gründe zu springen. Das Einzige auf meiner Contra-Liste waren die Kinder, doch ich konnte mir ohnehin nicht vorstellen, dass Cindy mir je wieder erlauben würde, sie zu sehen.“ (Sprecher: Martin; S. 10; CD 1, Track 2)

Autor: Mit diesem Entschluss zum Selbstmord beginnt der Roman „A long way down“ von Nick Hornby. Doch als sich Martin am Silvesterabend umbringen will, trifft er drei weitere Menschen, die ihrem Leben ein Ende setzen wollen. Jeder von ihnen hat dafür Gründe: Maureen hat einen geistig und körperlich behinderten Sohn, für dessen Pflege sie sich völlig verausgabt hat. JJ musste erkennen, dass sein Traum von einer Karriere als Musiker geplatzt ist. Und Jess merkte, dass die Suche nach ihrem Ex-Freund aussichtslos war. Diese vier Menschen begegnen sich auf dem Dach eines Hochhauses. Und sie stellen fest:

O-Ton: „Uns verband nichts außer dem Ort, an dem wir schließlich gelandet waren, diesem Betonviereck hoch oben direkt unter dem Himmel, und das war das Größte, was man mit jemandem gemein haben kann.“ (Sprecherin: Jess; S. 102; CD 1, Track 26)

Autor: Die vier beschließen, ihre Selbstmordpläne erst einmal auf Eis zu legen. Auch in den nächsten Wochen treffen sie sich immer wieder und versuchen sogar, einander zu helfen. Was nicht einfach ist und zum Teil kläglich scheitert. Aber trotzdem rückt auf diese Weise ihr Wunsch, sich umzubringen, in immer weitere Ferne.

O-Ton: „Die Dinge änderten sich. Sie hatten sich nicht besonders schnell geändert, sie hatten sich auch nicht besonders drastisch verändert, und vielleicht hatten wir nicht mal besonders viel dafür getan, dass sie sich änderten.“  (Sprecher: JJ;
CD 4, Track 13)

Autor: Aber am Ende des Buches haben alle vier ihre Selbstmordabsichten aufge¬geben. Nicht weil sich alle Probleme in Luft aufgelöst hätten. Sondern weil sich die Gewichte verschoben haben. Die Probleme sind nicht kleiner geworden. Aber das Leben ist wichtiger geworden. Das Leben hat an Bedeutung gegenüber den Problemen gewonnen.

Das kommt auch daher, dass die vier Hauptpersonen des Romans mit anderen Selbstmordversuchen konfrontiert werden. Zum Beispiel mit dem Bericht eines Mannes, der einen Sprung von der Golden Gate Bridge überlebt hatte.

O-Ton: „Er sagte, in den zwei Sekunden, nachdem er gesprungen war, sei ihm klar geworden, dass es nichts im Leben gab, womit er nicht zurechtkommen, kein Problem, das er nicht lösen konnte - außer dem, das er sich gerade geschaffen hatte, indem er von der Brücke sprang.“ (Sprecher: Martin; S. 283; CD 3, Track 11)

Autor: Am Ende bietet „A long way down“ kein simples Happy-End und keine einfachen Lebensrezepte. Aber die vier Hauptpersonen bekommen eine Ahnung davon, welchen Wert unser Leben hat. Sie merken, dass das Leben das Wertvollste ist, was wir überhaupt haben. Es ist ein riesengroßes Geschenk, das Gott uns gemacht hat. Ein Geschenk, das größer ist als die ganzen Probleme, die sich darin aufstauen. Und alle Probleme zusammen können den Wert unseres Lebens weder aufwiegen noch zerstören.

Audiobeitrag Leben?!


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