Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.11.09, Jost Klausmeier-Saß

Verbitterung

O-Ton 1: Ich muss schon zugeben, dass meine Interessen nicht unbedingt so gelegen waren, dass ich jetzt nur Einsen in der Schule schreibe –

aber ich war immer im mittleren Feld, würd ich sagen. Aber das war meinen Eltern irgendwo nie genug.

Sprecherin: Natalie, 20, Auszubildende, blickt auf viel Stress mit ihren Eltern zurück. Hohe Anforderungen, „Leistung“ stand in ihrer Familie immer im Vordergrund.

O-Ton 2: Je älter ich geworden bin, je mehr Erwartungen hatten meine Eltern eigentlich an mich. Es war immer ein sehr hoher Leistungsdruck.

Sprecherin: Dabei sehnte sich Natalie nach was ganz anderem:

O-Ton 3: Viele andere Dinge haben halt nicht so ne große Rolle gespielt,-  wie familiäre Dinge, zusammen essen, oder dass einfach über Probleme gesprochen wurde. So Dinge sind irgendwo eher nebensächlich gewesen. Es war sehr oft auf „Leistung“ (eigentlich) alles gelegt.

Sprecherin: Dauernder Druck verbittert. Natalie zog deshalb so früh es ging zu Hause aus. Es brauchte dann auch eine ganze Weile, bis Eltern und Tochter überhaupt wieder miteinander reden konnten. „Lasst eure Kinder nicht verbittern“ heißt es schon in der Bibel. Natalies Eltern hätten das beherzigen sollen, dann wäre zwischen Eltern und Tochter nicht so viel kaputt gegangen. Nur mit Mühe kann Natalie deshalb heute auch versuchen, das Verhalten ihrer Eltern zu verstehen:

O-Ton 4: „Es sind immer meine Eltern und die haben eigentlich auch wenn da Spannungen waren, immer versucht irgendwo für mich was zu tun – was ich eben heute mehr wahrnehme, dass eher die Angst, vielleicht, dass irgendwas bei mir falsch laufen könnte, dass eher das sie dazu getrieben hat, mich  unter Druck zu setzen.“

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Verbitterung


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