Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.11.09, Pfarrer Rüdiger Schnurr

Wetterbericht

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Vor kurzem lernte ich ein Lied des Franziskanermönchs Helmut Schlegel kennen, das in schlichten,

kurzen Strophen mir den Wert und die Bedeutung des Wassers nahe brachte:

„Wasser vom Himmel, fließe zur Erde, du gibst der Schöpfung Wachstum und Kraft.“

So lautet die erste Strophe. Vom ersten Tag der Schöpfung an ist es dabei. Mittlerweile wissen es alle, dass das Leben, wie in den Schöpfungserzählungen der Bibel berichtet wird, im Wasser und mit dem Wasser seinen Anfang genommen hat. Und auch unser Leben wäre nicht denkbar, wenn sich nicht ein segensreicher Nebel aus der Erde erhoben und im Niederfallen das Land feucht gemacht hätte, so dass aus dem Ackerboden Gott sein Ebenbild, sein geliebtes Gegenüber, uns Menschen, formen konnte. Alles hängt am Wasser. Warum sonst richten sich alle Anstrengungen der Forschung darauf, nach Wasser auf dem Mars oder neuerdings auch auf dem Mond zu suchen? Man sucht nach Lebensspuren und nach zukünftigen Lebensräumen.

Es liegt eine tiefe Wahrheit in den Schöpfungserzählungen der Bibel. Und ich nehme für mich dankbar wahr, wie gut sich der Glaube an Gott den Schöpfer mit dem verträgt, was uns die Naturwissenschaften an Erkenntnissen vermitteln. Ich habe darin noch nie einen unüberwindlichen Gegensatz verspürt. Im Gegenteil, mir wird durch den Glauben, dass die Welt eine Schöpfung Gottes ist, erst die Schönheit der Welt, in der ich mit Milliarden von anderen Menschen das Leben teile, richtig bewusst. Diese Welt, in Jahrmilliarden entstanden, ist eine gesegnete, von Gott geliebte Welt. Und darum ist sie schön zu jeder Zeit.

Darum empfinde ich auch den Streit, der sich um den Schöpfungsglauben einerseits und um die Evolution des Lebens andererseits immer wieder entzündet, als eine unfruchtbare und überflüssige Sache. Es werden soviel Energien verschwendet, mit denen man sich gemeinsam um den Erhalt des Lebens kümmern könnte. Zum Beispiel darum, dass die Wasservorräte unserer Erde sauber bleiben und geschützt werden. Gott wird uns einmal nicht danach fragen ob wir Kreationisten oder Evolutionisten gewesen sind.

Er wird uns aber sicher danach fragen, wie wir mit dem kostbaren Gut des Wassers, dass er zum Lebensträger bestimmt hat, umgegangen sind. Und ob wir allen Menschen den Zugang dazu und damit zum Leben gewährt haben.

Gut, ich weiß, wie sehr ich mich selbst nach trockenem, schönen Wetter sehne. Aber was ist eigentlich schönes Wetter? Etwa dann, wenn die Sonne möglichst von Morgens bis Abends scheint. Damit man auch noch einen lauen Abend im Biergarten erwarten darf. Ab und zu höre ich in meiner Gemeinde die Gartenbesitzer stöhnen: Jetzt müsste es aber mal dringend regnen. Der Garten braucht unbedingt Wasser. Regen wäre für sie demnach etwas Wunderbares.

„Wasser vom Himmel, fließe zur Erde, du gibst der Schöpfung Wachstum und Kraft.“

Jetzt haben wir November, wir dürfen gewiss mit Regen, vielleicht auch schon bald mit Schnee rechnen. Aber in jedem Regentropfen oder in jeder Schneeflocke ist der Gedanke der Schöpfung Gottes eingeschlossen. Denken Sie daran, wenn sie im Regen stehen: Es ist Wasser vom Himmel, voller Wachstumskraft.

Audiobeitrag Wetterbericht


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