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Heilige abschaffen?
Heute ist Allerheiligen. Heute wird der Menschen gedacht, die ihr Leben und ihren Glauben in besonderer, ethisch und religiös vollkommener Weise gestaltet haben.
Gemeint sind nicht nur die, die offiziell Heilig gesprochen wurden, sondern auch und gerade die, um deren Heiligkeit niemand anders weiß als Gott alleine. Heilige gelten als Vorbilder. Ihr Beispiel soll Mut machen, den eigenen Glauben zu leben auch gegen Widerstände. Das lehrt auch die Evangelische Kirche - auch wenn viel Protestanten das gerne vergessen
(CA, Art 21)
Am Vorabend des Allerheiligentages, dem Aller-Heiligen-Abend, wird nicht nur Halloween gefeiert, sondern auch der Reformationstag. Am 31. Oktober 1517 soll der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther 95 theologische Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt haben. Er wollte damit eine akademische Diskussion beginnen. Ausgelöst hat er - unbeabsichtigt- die Reformation und die Spaltung der christlichen Kirchen des Abendlandes. Auch wenn viele Thesen Luthers inzwischen von beiden großen Konfessionen in Deutschland anerkannt werden in einigen Punkten dauert die Diskussion immer noch an.
Denn die römisch katholische Kirche rückte auf dem Trienter Konzil 1563 eng in der konservativen Ecke zusammen um zu retten, was zu retten war. Die vielgenannte Piusbruderschaft hat sich bis heute die Umsetzung der Beschlüsse von 1563 zur Aufgabe gemacht.
Die sich lösenden Protestanten fielen auf der anderen Seite vom Pferd, als sie alles abschafften, das Rad neu erfinden wollten. Vielen Protestanten ist bis heute alles verdächtig, was nach katholischen Traditionen aussieht: Salbungs-Gottesdienste, Kerzen zur Trauung oder zur Taufe, Bilder in der Kirche. Und eben das Gedenken an die Heiligen. Es gibt keine Heiligen heißt es dann. Der Luther hat die abgeschafft. Hat er, frage ich zurück?
Was ist heilig? Wer ist heilig? Heilig ist alles das, was dem menschlichen Handeln entzogen ist, was allein Gott zusteht. Der Gegensatz zu heilig ist weltlich, profan, menschlich. Das heißt: ohne das Heilige bleiben wir auf der menschlichen Ebene. Und menschlich bleiben ist sicher nicht falsch, aber es menschelt dann eben auch allerorten.
Ich glaube zwar nicht, dass die Fürbitte Verstorbener uns seien sie Heilige!- mir die Arbeit abnehmen kann, selber ein gutes, gerechtes Leben zu gestalten. Das erschließt sich mir logisch nicht: Ich muss aber deshalb nicht ablehnen, dass es Menschen gibt die Heilig sind, die in besonderer Weise ihren Glauben gelebt haben, Mutter Theresa, Mahatma Ghandi, Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer wer wollte bestreiten, dass diese Menschen Außergewöhnliches geleistet haben? Soll man sich nicht daran erinnern, sie vergessen?
Ich glaube nicht, dass es Zufall ist, dass Luther den Vorabend des Heiligengedenkens als Tag seines Thesenanschlages gewählt hat. In einer Zeit der Umbrüche, der Spannungen und der Krise erinnert er uns an die Vorbilder der Vorgängergenerationen. Wenn ihr nach Lösungen in Krisenzeiten fragt, erinnert euch daran, wie die Menschen vor euch gehandelt haben. Erinnert euch an die wesentlichen Werte im Leben und im Glauben. Erinnert euch daran, dass nicht alles im Leben in menschlichen Händen liegt, dass es eine Sphäre, dass es Werte gibt, die unverfügbar sind.
Ohne das Heilige bleibt alles profan. Und wenn wir die Heiligen vergessen, abschaffen, dann bleiben uns nur noch die Helden übrig. Und das wäre wirklich schlimm.
Heilige abschaffen?
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