Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.10.09, Pfarrer Reinhard Ellsel

Gott behütet (Psalm 121)

Liebe Hörerinnen und Hörer! Gott behütet uns auf unserem Lebensweg. Davon spricht eindrücklich der Psalm 121:

Sprecherin: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HERRN,
der Himmel und Erde gemacht hat."
 
In diesem Psalm ist uns ein Gespräch von zwei Menschen aufgezeichnet. Der eine ist ein Pilger, der eine Wallfahrt zum Tempel in Jerusalem unternommen hat. Auf seinem Weg dorthin hat er Berge und Höhen gesehen, auf denen fremden Götzen und Berggöttern geopfert wird. In Jerusalem nun tritt neben den Pilger ein Priester. Der Priester stellt dem Pilger die Frage, die auf der Hand liegt: Welcher Gott ist eigentlich der Richtige? Welcher Gott kann helfen? Der Pilger antwortet mit einem persönlichen Bekenntnis:

Sprecherin: "Meine Hilfe kommt vom HERRN,
der Himmel und Erde gemacht hat."

Das heißt: Gott ist unvorstellbar mächtig. Gleichzeitig setzt er seine Macht dafür ein, dass er Leben schafft und Leben erhält. Die fremden Götzen und Berggötter sind nur Hirngespinste. Sie haben keine Macht und können niemandem helfen. Der Priester münzt nun das allgemeine Bekenntnis des Pilgers um in eine konkrete Zusage für dessen weiteren Lebensweg:

Sprecherin: "Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.
Der HERR behütet dich;
der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts."

Der gegenwärtige Zeitgeist will uns weismachen, dass wir mit allen Herausforderungen unseres Lebens immer aus eigener Kraft fertig werden sollen. Wer alles alleine schafft, der hat etwas geschafft.

Da mag bestimmt auch etwas dran sein. Gleichzeitig stimmt aber auch: Wer alles alleine schafft, der ist und bleibt auch allein. Und nun ist es das Bewegende, dass der Pilger eben nicht zu hören bekommt: "Mach es man gut! Hals- und Beinbruch! Wird schon schiefgehen! Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist! Unkraut vergeht nicht! Pass gut auf dich auf!" Der Priester sagt ihm ein Wort von Gott; von Gott, der ja seine Menschen in umfassender Weise behüten will; von Gott, der sich Tag und Nacht um uns kümmert; von Gott, der acht hat auf deinen Fuß und deine Hand; von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat; der seinen Engeln gebietet, dass uns weder Sonne noch Mond Schaden zufügen. Schließlich gibt der Priester dem Pilger einen Segen mit auf den Weg:

Sprecherin: "Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!"

Gott will uns behüten. Etwas Besseres können wir für uns selbst nicht tun, als dass wir uns mit allem Gott ans Herz legen - so wie es Paul Gerhardt gedichtet hat:

Sprecherin: "Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann."

Audiobeitrag Gott behütet (Psalm 121)


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