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Vergiss das Gute nicht! (Psalm 103)
Liebe Hörerinnen und Hörer, wir sind ja leider so vergesslich! Ich meine damit nicht nur, dass uns Namen entfallen und wir einfach nicht mehr darauf kommen,
wie dieser "Na, Du weißt schon wer" hieß, "Na, der aus Dingsda, mit dem wir, wann war das noch?" ... Nein, wir vergessen leider auch so schnell, was Gott uns schon alles an Gutem und Schönen geschenkt hat. Und diese Vergesslichkeit kann unser Leben ganz schön belasten.
Zum Beispiel: Meine Familie und ich haben unseren Urlaub auf der Insel Föhr verbracht. Am Abreisetag wollte meine Frau in der Ferienwohnung ein Trinkgeld hinterlegen. Das Trinkgeld - 10,- Euro - war gedacht für die Frau, die uns die Wohnung vorbereitet hatte und nach uns gründlich sauber machen würde. Während meine Frau also die Kinder versorgte, stand ich verbissen in der Küche und schrubbte das Geschirr. Ich grollte so vor mich hin: "10,- Euro Trinkgeld! Wir zahlen doch für die Endreinigung ohnehin 30,- Euro. Mir hat auch noch nie jemand etwas geschenkt! Toll! Ich muss das Geld sauer verdienen und meine Frau gibt es mit beiden Händen aus. Übermorgen geht die Arbeit in der Gemeinde wieder los! Da werden die Leute wieder fragen: Na, haben Sie sich gut erholt!? Die haben doch alle keine Ahnung, was das bedeutet, einen Schwung Kinder zu haben. Selbst im Urlaub ist das Leben anstrengend. Ich bin müde wie Hund, die Kinder zerren an den Nerven und meine Frau stellt lauter Ansprüche! Und dann auch noch so ein riesengroßes Trinkgeld zahlen. 5,- Euro würden doch wohl auch genügen. Nein, mir hat auch noch nie jemand etwas geschenkt!"
Liebe Hörerinnen und Hörer, Sie können sich lebhaft vorstellen, was los gewesen wäre, wenn meine Frau das so mitgekriegt hätte. Wir hätten, ironisch gesagt, eine ziemlich "unterhaltsame" Rückfahrt gehabt. Und meine Kinder hätten sich da auch nicht zurückgehalten.
Gott sei Dank habe ich meinen Mund gehalten und nachgedacht:"Ja, spinne ich denn? Mir hat noch nie jemand etwas geschenkt? Wie komme ich denn darauf? Ich habe vier gesunde Kinder - okay, sie sind manchmal sehr gesund. Gott sei Dank! Ich habe eine verständnisvolle Frau - okay, sie denkt über manche Dinge anders als ich. Gott sei Dank! Ich habe einen schönen Beruf - okay, es gibt auch viele Erwartungen an mich. Gott sei Dank!"
In Psalm 103 heißt es:
Sprecherin: "Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat".
Es ist ein großes Geschenk, wenn wir Erfahrungen mit Gottes Größe und Güte gemacht haben. Aber es ist auch notwendig, dass wir uns die Zeit dafür nehmen, für diese Geschenke dankbar zu sein - gerade auch weil uns eben nicht alle Tage nach "Lobe den Herrn" zu Mute ist. Denn wer bewusst Erfahrungen mit Gott macht, der wird herausgezogen aus aller Mutlosigkeit und gewinnt neue Kraft und Perspektive; der weiß sich gehalten und geborgen in dieser unübersichtlichen Welt.
Vergiss das Gute nicht! (Psalm 103)
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