Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.10.09, Pfarrer Reinhard Ellsel

Wie ein Baum (Psalm 1)

Bäume sind faszinierend - nicht zuletzt deshalb, weil sie uns an unser eigenes Leben erinnern. Wir denken an die Jahresringe eines Baumes:

Sie sind für viele ein Gleichnis für die erlebten Jahre, für Zeichen und Male, für die Eindrücke, die das Leben in uns hineingeprägt hat. Wir denken an die Jahreszeiten: Sie werden oft anhand der wechselnden Belaubung eines Baumes dargestellt. Frühling und Sommer, dann: Herbst und Winter. Der Kreis des Lebens, der sich auch für uns einmal vollenden wird.

Auch die Bibel verwendet das Bild des Baumes, um damit menschliches Leben darzustellen. In Psalm 1 heißt es:

Sprecherin: "Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen
noch tritt auf den Weg der Sünder
noch sitzt, wo die Spötter sitzen,
sondern hat Lust am Gesetz des HERRN
und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!
Der ist wie ein Baum,
gepflanzt an den Wasserbächen,
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,
und seine Blätter verwelken nicht.
Und was er macht, das gerät wohl."

Standhaftigkeit und Großzügigkeit als Wesensmerkmale, Erfolg zu seiner Zeit als Früchte eines gegründeten und gelingendes Lebens. Wer möchte denn nicht so leben? Die Frage lautet nur: Wie können wir das erreichen? Der Psalm gibt die Antwort: Auf die Quelle kommt es an. Es kommt auf die Quelle an, aus der wir trinken; die Quelle, aus der wir unsere Lebenskraft beziehen, unsere Hoffnungen, unseren Trost, unsere Ziele.

Sie merken, dass wir damit streng genommen den Vergleich mit dem Baum verlassen. Ein Baum kann sich nämlich nicht aussuchen, aus was für einer Quelle er trinken will. Ein Baum muss dort wachsen, wo er eines Tages hingesät worden ist. Wir Menschen dagegen haben die Freiheit, zu wählen. Zwar kann sich kein Mensch aussuchen, in was für eine Familie er hineingeboren wird, was für Eltern er hat. Aber jeder Mensch hat die Freiheit, sich für oder gegen ein Leben mit Gott zu entscheiden. Ob Gott die Quelle seines Lebens ist.

Sprecherin:
"Wohl dem, der seine Lust hat am Gesetz des HERRN
und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!"

Das ist eine merkwürdige Formulierung: "Lust haben am Gesetz des HERRN." Das hört sich ja fast an wie eine Liebesbeziehung! Und tatsächlich, genau darum geht es: Um eine Liebesbeziehung zu Gott.

Liebe Hörerinnen und Hörer, wann waren Sie das letzte Mal so richtig verliebt? Wer verliebt ist, dem wachsen Flügel. Verliebt-Sein: Das ist ein wunderbarer Zustand, der einem ganz neue Ideen und Kräfte schenkt. Haben Sie schon einmal "Schmetterlinge im Bauch " gehabt, weil Sie an Gott gedacht haben? Ich lasse alles stehen und liegen, weil ich Gottes gute Wege für mein Leben entdeckt habe. Ich will so viel wie möglich über den erfahren, der mich annimmt, wie ich bin; der auch dann noch zu mir steht, wenn ich krank bin; der mir Mut macht, wenn ich keinen Weg mehr sehe; der mir konkrete Hilfe schenkt, wenn ich sie nötig habe; der mich zu einer Persönlichkeit reifen lässt, an der auch andere sich orientieren können. Liebe zu Gott. Etwas Erfüllenderes gibt es nicht.

Audiobeitrag Wie ein Baum (Psalm 1)


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