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Gelobt sei deine Treu (eg 681)
Gelobt sei Deine Treu, die jeden Morgen neu / Uns in den Mantel Deiner Liebe hüllt. /Die jeden Abend wieder, wenn schwer die Augenlieder /Das schwache Herz mit Frieden füllt.
Autor: 1938: Der Jugenddiakon Gerhard Fritzsche, 27 Jahre alt, und der Kirchenmusiker Johannes Petzold, 26 Jahre alt, schreiben ein Morgenlied. Das Lied klingt privat-persönlich und ist doch zugleich eine politische Äußerung: Gott wird im ganzen Lied nicht genannt, aber mit seinen Wohltaten den Führern jener Zeit drastisch gegenübergestellt. Führer, die Treue bis zum Tod fordern und keine Treue bieten. Führer, die zum Kampf aufrufen, den Mantel der Liebe nicht kennen, die Härte fordern und schwache Herzen und Frieden verachten.
Choral (Strophe 2): Wir wolln dem Namen Dein in Andacht still und fein / lobsingen und auch laut vor aller Welt. / Nie hast Du uns vergessen, schenkst Gaben unermessen, / tagtäglich Deine Hand uns hält.
Sprecherin: Wir wolln dem Namen Dein in Andacht still und fein lobsingen und auch laut vor aller Welt. Nie hast Du uns vergessen, schenkst Gaben unermessen, tagtäglich Deine Hand uns hält.
Autor: Wenn das keine Töne des Protestes sind: "Wir wolln dem Namen Dein in Andacht still und fein lobsingen und auch laut vor aller Welt." Eine halbe Zeile nur, und doch ein sehr offenes Wort: Dem Namen des Schöpfers laut vor aller Welt Lob zu singen, dazu gehörte in jener Zeit besonderer Mut, gerade wenn man als junger Mann in der kirchlichen Jugendarbeit und nicht für die Hitlerjugend tätig war. Die ließ zum Beispiel am Berliner Dom die Proben der Domkantorei mit eigenen Pflichtterminen blockieren. Sie löste Chöre auf und verhinderte so eine Aufführung von Bachs Johannes-Passion. Man kann ziemlich sicher sein, dass die beiden kirchlichen Mitarbeiter ahnten, wie in der Kirchenleitung über Kirchenmusik gedacht und gesprochen wurde. Ein führender Mann der evangelischen Kirchenmusik in Deutschland, Oskar Söhngen, schrieb 1937:
Sprecher: Die singende Mannschaft ist die neue musikalische Erscheinungs- und Bildungsform eines sich auf die heroischen, männlichen Grundlagen seines Daseins besinnenden Volkes, das im Nationalsozialismus einen neuen Inhalt seines Lebensgefühls empfangen und sich über solchem gemeinsamen Erleben zur Gemeinschaft zusammengeschlossen hat. Ist das Kampflied unserer Tage jung und voller Kraft, ist es auch das neue Lied der Kirche. ... In der Hitler-Jugend und in der zeitgenössischen Kirchenmusik wird weithin aus einer verwandten Gesinnung und stilistischen Haltung heraus musiziert.
Autor: Das sind wahrhaftig andere Töne, als sie Fritzsche und Petzold erklingen lassen.
Choral (Strophe 3): Kleidung und Brot gibst Du, der Nächte Ruh dazu / und stellst am Morgen über jedes Dach / das Taggestirn, das helle, und mit der güldnen Welle / des Lichts nimmst Du das Ungemach.
Sprecherin: Kleidung und Brot gibst Du, der Nächte Ruh dazu und stellst am Morgen über jedes Dach das Taggestirn, das helle, und mit der güldnen Welle des Lichts nimmst Du das Ungemach.
Autor: Von der eher politischen Sphäre wendet sich der Choral ins Private. Er meditiert über die täglichen Bedürfnisse, über Tag und Nacht und die Quelle des Lichts. Er erinnert aber gerade dadurch die Führer des Volkes einfach durch das Bekenntnis zum Schöpfer aller Dinge daran, dass nicht sie über Tag und Nacht Herren sind und der Sonne nicht befehlen können, auch wenn sie die Macht haben, unendlich viele Menschen in den Tod zu treiben. So bringt erst recht der Gedanke an den eigenen Tod, den sie deutlich vor Augen haben, die beiden Sänger nicht von Ihrem Lob der Treue Gottes ab:
Choral (Strophe 4): Gelobt drum deine Treu, die jeden Morgen neu / Uns deine abgrundtiefe Liebe zeigt. / Wir preisen dich und bringen dir unser Lob mit Singen, / bis unser Mund im Tode schweigt.
Autor: Johannes Petzold hat den Krieg überlebt. An Tuberkulose schwer erkrankt aus dem Kriegsdienst entlassen, wurde er erst spät, 6 Jahre nach dem Krieg Kantor in Bad Berka und schließlich Dozent an der Kirchenmusikschule in Eisenach. Zu seinen schönsten Schöpfungen zählt die Melodie zu Jochen Kleppers Die Nacht ist vorgedrungen.
Der Mund Gerhard Fritzsches aber schwieg schon früh im Tode. Er ist seit 1944, im Alter von 33 Jahren, vermisst in Südrussland oder auf dem Balkan.
Instrumentalversion
Autor: Die letzte Zeile seines Liedes ist jedoch nicht der letzte Bescheid, den Fritzsche hinterließ. Bekannt geblieben und viel gesungen ist vielmehr sein auch ökumenisch verbreiteter Kanon, der wie ein knapper, kritischer Kommentar zu den politischen Wirren des zwanzigsten Jahrhunderts klingt:
Sprecher: Alles ist eitel, Du aber bleibst und wen du ins Buch des Lebens schreibst.
Autor: Im Buch des Lebens aber lesen wir die Namen der Menschen, die den Mantel der Liebe Gottes in seinem Namen schützend über andere breiten. Ob sie dabei zu Tode kommen, wie zuletzt wieder ein Tapferer in München, oder ob sie beschenkt werden mit Nachkommen, die ihrem Vorbild folgen und ihrerseits den Mantel der Liebe ergreifen für die Schutzbedürftigen der kommenden Generationen. Gottes Liebe und Treue wird sie umhüllen.
Choral (Strophen 1-4): Gelobt sei Deine Treu, die jeden Morgen neu / Uns in den Mantel Deiner Liebe hüllt. / Die jeden Abend wieder, wenn schwer die Augenlieder / Das schwache Herz mit Frieden füllt.
Wir wolln dem Namen Dein in Andacht still und fein / lobsingen und auch laut vor aller Welt. / Nie hast Du uns vergessen, schenkst Gaben unermessen, / tagtäglich Deine Hand uns hält.
Kleidung und Brot gibst Du, der Nächte Ruh dazu / und stellst am Morgen über jedes Dach / das Taggestirn, das helle, und mit der güldnen Welle / des Lichts nimmst Du das Ungemach.
Gelobt drum deine Treu, die jeden Morgen neu / Uns deine abgrundtiefe Liebe zeigt. / Wir preisen dich und bringen dir unser Lob mit Singen, / bis unser Mund im Tode schweigt.
Musikinformtion: Es sang die Kleine Kantorei des Christlichen Sängerbundes unter der Leitung von Horst Krüger.
Gelobt sei deine Treu (eg 681)
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