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Bestattermeisterin: An den Rändern des Lebens
Autor: Als meine Mama vor wenigen Monaten plötzlich und viel zu schnell an Krebs verstarb, da begegneten wir einer jungen Bestatterin, Birte Schneider.
Mit ihr habe ich über das Leben und den Tod gesprochen. Was passiert eigentlich, wenn ein Mensch stirbt?
O-Ton: Viele, viele erzählen mir, dass die Sterbenden einfach die Hände ausstrecken und Namen aussprechen, rufen, die schon vor verstorben sind Durch so( viele Gespräche und so) viele Sterbefälle bin ich mittlerweile der Ansicht, dass jemand kommt und den Sterbenden abholt
das ist für mich sehr, sehr beruhigend.
Autor: Was sie aber beunruhigt ist, dass viele Krankenschwestern und Pfleger Probleme im Umgang mit den Toten haben, dass sie ihnen Angst machen. Denn immer wieder, wenn sie Leichen abholt, sieht sie, wie die Toten einfach ganz schnell in die Kühlung geschoben worden waren, mit Bettdecke und allem.
O-Ton: Und da muss man einfach auch den Schwestern und den Pflegern die Angst nehmen zu sagen: Wenn derjenige verstorben ist dann ist das immer noch der Mensch, den ihr vor euch habt. Und der ist genauso zu behandeln wie ein lebender Körper, wie ein Mensch der gerade noch lebte, den kann ich nicht anders behandeln und vor dem brauche ich auch keine Angst zu haben, sondern den kann ich würdevoll auch da versorgen.
Autor: Inzwischen schult sie Krankenschwestern, Pflegepersonal und Menschen, die mit Sterbenden zu tun haben. Denn sie weiß über das Sterben:
O-Ton: Das ist so eine kostbare Situation, die nicht schief gehen sollte. Schiefgehen in der Hinsicht, dass eine Schwester aus dem Zimmer kam und sagte: Sie können jetzt nicht rein, derjenige ist verstorben und sieht ganz schrecklich aus. Ein Verstorbener sieht nicht schrecklich aus!
Autor: Ganz unbekümmert erzählt Bestattermeisterin Birte Schneider, was für sie Sterben bedeutet und sie tut es aufgrund ihrer Erfahrungen mit Sterbenden.
O-Ton: Sterben ist Übergang von dem einen, dem Irdischen in etwas anderes. Ist das Sterben vielleicht genau so wie geboren werden? Weil, wenn wir geboren werden, dann werden wir auch nicht gefragt, ob wir das wollen und sind doch dann froh, dass wir auf die Welt geboren werden. Ist es vielleicht mit dem Sterben das Gleiche? Gehen wir einfach in etwas anderes, was wir jetzt auch nicht wissen.
Autor: Ich denke an die Geburt unserer Kinder und an den Tod meiner Mutter und freue mich über dieses Vertrauen unserer Bestatterin, die daran glaubt, dass wir sterbend nicht in ein Nichts fallen, sondern hinter der Grenze schon erwartet werden, so wie wir unsere Kinder erwartet und begrüßt haben. Als jemand der es tagtäglich mit Sterbenden und Toten zu tun hat, wird Birte Schneider oft gefragt, wie sie das aushalten kann:
O-Ton: Man braucht es nicht auszuhalten, man kann jeden Tag so leben, wenn er morgen zu Ende ist und das Leben zu Ende ist, muss man auf sein Leben zurückgucken und sagen: Ich habe jeden tag so genutzt, als ob es der letzte war.
Bestattermeisterin: An den Rändern des Lebens
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