Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.10.09, Jönk Schnitzius

Spielsucht

Das einer 500 Lose kauft. Kurz bevor der Laden zumacht. Weil er besessen ist von der Idee: Jetzt. Heute. Das könnte mein Tag sein. Heute ziehe ich das ganz große Los.

Bestimmt. Ich spür das. Jetzt. Eben noch schnell bevor der Laden dicht macht, kauf ich alle. 500 Rubbellose.

Der Kick: die Zeit zwischen Spiel und Ergebnis ist sehr gering. Ähnlich wie bei Automaten.

Man kann sich das vielleicht kaum vorstellen. Tatsache ist: Das Wissen um Spielsucht, Glücksspielsucht ist klein. Das Unglück, in das Abhängige und ihre Angehörigen getrieben werden, ist allerdings groß. Jens Kalke vom Institut für interdisziplinäre Sucht – und Drogenforschung sagt: Man sieht es den Leuten im Gegensatz zu vielen Alkoholikern nicht an. Sie können es auch länger vor engen Familienangehörigen verbergen.“ Und: 9 von 10 Betroffenen sind männlich.

Wenn diese Männer das Geld von Arbeit oder Amt direkt in den Automaten werfen, dann wird es schnell für alle Anderen eng. Wenn die Sucht herrscht, werden Familienmitglieder und Freunde vernachlässigt und belogen. Nicht selten ist der Schritt in die Kriminalität dann sehr klein.

Auswege kennen die Telefonseelsorge, die Selbsthilfegruppe der Anonymen Spieler und – online – die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Pokerface mag ja cool sein. Sucht ist es nicht.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Spielsucht


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