Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.10.09, Jönk Schnitzius

20 Minuten Da-Sein

20 Minuten pro Tag. Soviel Zeit verbringt im Durchschnitt ein Elternteil in Deutschland mit seinem Kind. 20 Minuten.

Kein Wunder, wenn die allermeiste Zeit des Tages für das Geldverdienen,  und das Sich Erholen vom Geldverdienen draufgeht. Das das so ist, ist in der Regel nicht eine Frage des Willens. Sondern eher, wie Arbeit verteilt ist.

Nur: 20 Minuten reichen nicht. Um mitzukriegen und zu fragen:  wie geht es dir, - mein Kind, mein Jugendlicher? Was denkst du denn eigentlich so? Über dich und uns und die Welt? Fragen kostet Zeit.

Angesichts der schrecklichen Gewalttaten Jugendlicher wird nun der Ruf nach mehr Überwachung, mehr Strafe, kurz: mehr Härte, wieder laut.

Was wäre denn mal  mit: mehr Zeit. Überwachungskameras stellen keine Fragen, längere Strafen nützen niemandem und die Supernannys dieser Nation bringen den Glauben an die Regeln zurück, nicht den an Beziehung.

Es  macht eben den entscheidenden Unterschied: ob man auf die Einhaltung von Regeln, um der Regel willen achtet, und gute funktionierende Menschen erzieht, oder ob es um wirkliches, fragendes Interesse an der Person geht.

Schon klar: Das eine geht nicht ohne das andere: Liebe, die kein nein kennt, wird lasch. Liebe, die auf 20 Minuten begrenzt ist allerdings auch.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag 20 Minuten Da-Sein


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