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Heile, heile, Segen
Heile, heile, Segen
wird ja wieder gut. Und mit etwas Pusten wurden die meisten Schrammen meiner Kindheit aus der Welt geschafft. Wenn das heute auch noch so leicht ginge.
Die Kindheit ist keine heile mehr. Sie ist mittlerweile das Feld auf dem Eltern, Therapeuten und Pädagogen Schlachten schlagen. Aber wieso? Da sind doch liebevolle Väter und Mütter, die nur das Beste wollen. Und trotzdem sind anscheinend alle verunsichert und unglücklich.
Manchmal muss man das Pferd von hinten aufzäumen und sich mal das Gegenteil dessen vorstellen, was man erreichen möchte. Also liebe Eltern, Allein- und Gemeinsamerziehende, lassen Sie uns ein Gedankenexperiment wagen und überlegen: Wie mache ich mich und mein Kind richtig unglücklich?
Wenn ihr euer Kind unglücklich machen wollt, dann fangt bitte ab sofort an, es zu messen und zu vergleichen. Messt und wertet alles, was es kann und vor allem was es nicht kann, haltet das akribisch fest.
Lobt es, wenn es mehr kann als andere, mehr lächelt, wenn es früher als andere spricht, schöner malt. Wenn es das nicht kann, dann richtet euer Augenmerk auf die Defizite. Schafft Übungsmaterialien an. Investiert hier viel Zeit.
Überlasst die Wahl seiner Spielkameraden nicht dem Zufall. Sucht nach Kindern, die euren Erwartungen vom Idealkind entsprechen und freundet euch mit deren Eltern an. Erwartet, dass euer Kind von dem anderen Kind profitiert und macht ihm das auch klar. Nehmt dafür ruhig lange Strecken in andere Stadtteile in Kauf. Gewöhnt es frühzeitig an einen strikten Terminplan. Denn nur so kann es an einem Nachmittag sowohl zum Ballett als auch noch in die musikalische Früherziehung. Vermeidet Trödeleien! Ausruhen kann sich euer Kind doch auch auf dem Autorücksitz.
Wenn es nicht die tägliche Erfolgsmeldung vorweisen kann, wenn nicht das beste Zeugnis nach Hause gebracht wird, dann schürt seine Angst vor der Zukunft.
Wenn es dann immer noch nicht eure Erwartungen erfüllt. Wenn es zappelig ist oder zu verträumt. Wenn es stumm bleibt. Dann geht mit ihm zur Reparatur. Sucht den richtigen Therapeuten.
Beenden wir unser kleines Experiment. Diese Liste an schlechten Ratschlägen ist sicher noch lange nicht zu Ende. Das Tragische ist doch, dass die einzelnen Punkte vielfach befolgt werden. In der besten Absicht, das Kind zu fördern.
Jedes Kind ist anders. Jedes Kind ist einmalig. Das wissen wir noch in den Geburtsanzeigen. Warum sind wir so verunsichert und versuchen dann unsere Kinder von klein auf zu normieren und auf ein Ideal zu trimmen?
Du bist ein von Gott geliebter und gesegneter Mensch, sage ich jedem Neugeborenen, das ich taufe. Das ist eine sehr ernste Zusage, die ihr Gewicht erst dann entfaltet, wenn alle, die bei einer Taufe dabei sind, dieser Zusage trauen. Dieses Kind darf anders sein als ich es bin und als die anderen Kinder. Es soll sogar anders sein, als ich es von ihm erwarte.
Heile, heile, Segen
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