Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.09.09, Mark Christian Pollmeier

Wald- und Wiesenchristen

„Christ sein kann ich doch auch ohne die Kirche! Ich zum Beispiel finde Gott am ehesten in der Natur.“

Solche Sätze hör’ ich oft, wenn ich mal mit Freunden über ihren Glauben oder ihre Religiosität spreche.

Stimmt ja auch: wer sich mal die Zeit nimmt und mit offenen Augen durch einen dichten, grünen Wald läuft, gerät ins Staunen. Die Vielfalt der Natur, das perfekte Zusammenspiel von Tieren und Pflanzen – das hat schon was Faszinierendes. Da fällt es leicht, sich einen Gott vorzustellen, der das alles perfekt erschaffen und organisiert hat.

Aber dieses romantische Bild vom Schöpfergott hat auch seine Schattenseiten. Die Natur ist ja nicht nur schön und anmutig – sie ist auch grausam. Es gilt das Recht des Stärkeren. Jeder Fehler wird bestraft, jede Unachtsamkeit kann tödlich sein. Ohne Gnade.

Nächstenliebe? Gemeinschaft? Einander vergeben? Fehlanzeige! Darüber erzählt mir der Wald nichts. Gerade das sind aber die Dinge, die mir an meiner Religiosität wichtig sind. Es interessiert mich doch, wie es meinen Mitmenschen geht, wie ich mein Leben mit ihnen sinnvoll gestalten kann. Und darüber will ich mich auch austauschen – nicht nur, aber zum Beispiel auch in der Kirche.

Keine Frage: ich bin gern draußen. Bei einem Spaziergang durch die Natur kann ich durchatmen und komme mal zum Nachdenken. Aber meinen Glauben nur für mich allein im Wald auszuleben – das wäre mir zu wenig.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Wald- und Wiesenchristen


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