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Das Ideal
Sprecher: Ja, das möchste: Eine Villa im Grünen mit großer Terasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn - aber abends zum Kino hast dus nicht weit. Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:
Autor: Nun, wer möchte das nicht? Was Kurt Tucholsky hier als Das Ideal beschreibt, im Berlin der zwanziger Jahre, bleibt dem Menschen zu allen Zeiten aus der Seele gesprochen. Das eigentlich Reizvolle ist natürlich nicht der Reichtum an sich, - was unsere Wünsche und Sehnsüchte beflügelt ist vielmehr die Verheißung von Glück, Zufriedenheit und einem sorgenfreien Leben.
Sprecher: Neun Zimmer, - nein, doch lieber zehn! Ein Dachgarten, wo die Eichen draufstehn, Radio, Zentralheizung, Vakuum, eine Dienerschaft, gut angezogen und stumm, eine süße Frau voller Rasse und Verve - (und eine fürs Wochenende, zur Reserve) -, eine Bibliothek und drumherum Einsamkeit und Hummelgesumm.
Autor: Tucholsky überzeichnet. Natürlich. Aber gerade, weil er übertreibt und nicht wertet, nicht moralisiert, an all den Wünschen so gar nichts Verwerfliches findet deswegen trifft er doch bei uns ins Schwarze. Und dabei nicken wir innerlich schmunzelnd: Ja, das möchste...
Sprecher: Im Stall: zwei Ponies, vier Vollbluthengste, acht Autos, Motorrad alles lenkste natürlich selber das wär ja gelacht! Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.
Autor: Die Bibel geht übrigens entgegen einem verbreiteten Vorurteil mit Fragen des Reichtums auch ganz unbefangen um. König Salomo zum Beispiel, der von Gott nichts anderes als ein verständiges Herz erbeten hatte, erhielt zum Lohn dafür zusätzlich Reichtum und Ehre.
Sprecher: Ja, und das hab ich ganz vergessen: Prima Küche erstes Essen - alte Weine aus schönem Pokal - und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal. Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion. Und noch ne Million und noch ne Million. Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit. Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit. Ja das möchste!
Autor: Genau. Sagen wir im Stillen. Und wissen doch nur allzugut: Die meisten unserer Wünsche werden unerfüllt bleiben. Und selbst der Millionengewinn ist kein Garant für's irdische Glück. Wie läßt es sich dennoch glücklich sein?
Jesus sagt: Glück und Erfüllung findet, wer sein Leben auf Gott ausrichtet. Weil er dadurch wirklich frei wird - frei von der Sorge um materielle Dinge. Denn, so Jesus: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Wer sein Leben als Geschenk Gottes betrachtet, erkennt: Glück ist keine Frage des Geldes, sondern eine Frage der Empfänglichkeit des Herzens. Eines Herzens, welches weiß, dass eine Diskussion mit Freunden etwa im Schatten eines Baumes oder das Betrachten des Himmels, seiner Frau oder Kinder, der Pflanzen, des Gesteins und Flüsse weit mehr bedeuten, als alle künstlichen Paradiese, die man sich erkaufen kann.
Über unsere großen kleinen Wünsche mögen wir dann ebenso lächeln wie über die Zeilen von Tucholsky; und auch darüber, dass jedes Glück - zum Glück - nicht vollkommen ist.
Sprecher: Aber, wie das so ist hienieden: manchmal scheints so, als sei es beschieden nur pöapö, das irdische Glück. Immer fehlt dir ein Stück. Hast du Geld, dann hast du nicht Käten; hast du die Frau, dann fehln die Moneten - hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer: bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher. Etwas ist immer. Tröste dich
Jedes Glück hat einen kleinen Stich. Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten. Dass einer alles hat: das ist selten.
Das Ideal
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